Happy Birthday, Bildende Künste & Gestaltung!
Übersicht
Fünf Jahrzehnte Kunst, Gestaltung und Vermittlung: Was 1976 mit 40 Studierenden und einer neuen Abteilung für Kunsterziehung begann, ist heute ein vielseitiger Ort für künstlerische Praxis, Experiment und gesellschaftliche Fragen. Zum Jubiläum blickt das Department für Bildende Künste und Gestaltung zurück – und natürlich nach vorne.
Was braucht es, damit aus einer Idee Kunst wird? Manchmal eine gute Frage, manchmal das richtige Werkzeug. Und manchmal einfach einen Raum, in dem etwas entstehen darf.
Seit 50 Jahren bietet das Department für Bildende Künste und Gestaltung an der Universität Mozarteum Salzburg genau dafür einen Ort. Es wird gezeichnet, gebaut, fotografiert, gedruckt, gestaltet, hinterfragt und vermittelt. Es geht um Bilder und Objekte, um Materialien und Medien – aber auch darum, wie wir unsere Welt wahrnehmen und gestalten können.
Was heute selbstverständlich klingt, begann 1976 mit einer neuen Abteilung für Kunsterziehung, viel Engagement – auch von Personen früherer Jahrzehnte, die sich für eine „Kunstakademie in Salzburg“ stark gemacht haben, darunter Anton Faistauer, Friedrich Welz, Hans Lechner und Adolf Degenhardt – und zunächst improvisierten räumlichen Bedingungen. Fünf Jahrzehnte später ist aus diesen Anfängen ein Department mit rund 150 Studierenden, mehr als 20 Werkstätten und Ateliers sowie einem lebendigen Ausstellungsbetrieb geworden.
Von der Kaigasse ins KunstWerk
Am Anfang stand nicht das heutige KunstWerk in der Alpenstraße, sondern die Suche nach geeigneten Räumen. Die Festung Hohensalzburg, die Riedenburgkaserne und das Alte Borromäum waren als mögliche Standorte im Gespräch. Für den Start sprang schließlich das Land Salzburg mit Räumlichkeiten in der Kaigasse ein.
Die räumliche Entwicklung ging Schritt für Schritt weiter: 1981 übersiedelte die Bildhauerei in adaptierte Räume in der Schwarzstraße, für die Textilklasse kam ein zusätzlicher Arbeitsraum in der Aicherpassage hinzu. Erst 2008 erhielt die Abteilung mit der Eröffnung des KunstWerks in der Alpenstraße ein gemeinsames Zuhause.
Was hier entsteht, bleibt nicht im Atelier
Künstlerische Ausbildung bedeutet am Mozarteum nicht nur, Techniken zu erlernen und eigene Positionen zu entwickeln. Es bedeutet auch, Arbeiten zu zeigen, Feedback zu bekommen, öffentliche Räume zu bespielen und sich mit anderen Perspektiven auseinanderzusetzen. Dazu kommen Ausstellungen, Kooperationen und Projekte, die das Department mit der Salzburger Kunst- und Kulturszene verbinden.
Auch die Ausbildung selbst hat sich verändert. Aus der ursprünglichen Kunsterziehung entwickelten sich unterschiedliche Studien- und Fachbereiche. Heute stehen die Lehramtsfächer Kunst und Gestaltung sowie Technik und Design im Zentrum. Künstlerische Praxis, Reflexion, Forschung und Vermittlung greifen dabei ineinander.
50 Jahre in Zahlen
- 131 Interessent*innen kamen im April 1976 zu den ersten Eignungsprüfungen für das Kunsterziehungsstudium in Salzburg. 40 von ihnen bestanden die Prüfung.
- 3 Professoren nahmen 1976 ihr Arbeit in der Abteilung für Kunsterziehung auf: Peter Prandstetter, Professor für Malerei; Ruedi Arnold, Professor für Bildhauerei und Matthias Herbst, Professor für Bildnerische Erziehung und erster Abteilungsleiter – Ruedi Arnold übernahm die Leitung der Abteilung im Herbst 1983.
- 28 Lehrende starteten mit 30 Lehrveranstaltungen die Kunsterziehung an der Hochschule Mozarteum im Studienjahr 1976/77 (inkl. der drei Professoren).
- 2.000 junge Bildende Künstler*innen und Pädagog*innen studierten bis heute in den Werkstätten und Ateliers.
- 150 Studierende lernen heute am Department, pro Jahr kommen zwischen 35 und 40 hinzu.
- 20+ Werkstätten und Ateliers bieten Raum, um Ideen mit unterschiedlichen Materialien und Techniken auszuprobieren – von Holz, Metall, Keramik, Papier, grafische Drucktechniken wie Hoch-, Tief- und Siebdruck, Gips-/Formbau und 3D-Druck bis zu Textil mit Textildruckerei, Weberei und Färberei, Fotografie mit Drucklabor und digitalen Medien.
- 30 bis 40 Ausstellungen pro Jahr machen künstlerische und gestalterische Arbeiten sichtbar und bringen sie in den Austausch mit der Öffentlichkeit. Im Vergleich dazu waren es im Studienjahr 1983/84 drei Ausstellungen – gemäß Jahresbericht der Abteilung.
- 2 Galerien bieten Studierenden und Lehrenden Ausstellungsräume: die Galerie im KunstWerk sowie die Galerie DAS ZIMMER. Auch zahlreiche Ausstellungsorte im Salzburger Stadtraum werden immer wieder bespielt.
- 5 Mal hat sich das Department neu erfunden. Unterschiedliche Organisationsstrukturen und Änderungen in den Curricula führten von der Gründung des Departments unter dem Namen „Abteilung für Kunsterziehung“ im Jahr 1976 über „Institut für Bildende Künste, Kunst und Werkpädagogik“ im Jahr 2000, „Abteilung für Bildende Künste, Kunst und Werkpädagogik“ 2004, „Department Bildende Künste, Kunst und Werkpädagogik“ 2015 zum heutigen Namen „Department für Bildende Künste und Gestaltung“ an der Universität Mozarteum Salzburg.
- 1979/80 erfolgten die ersten 14 Studienabschlüsse an der Abteilung für Kunsterziehung in den Fächern Bildnerische Erziehung, Werkerziehung sowie Textiles Gestalten und Werken. Im Studienjahr 1980/81 steigerten sich die Abschlüsse bereits auf 23.
- 1989/90 folgte die erste Promotion an der Abteilung für Kunsterziehung. Wolfgang Richter promoviert zum Dr.phil. – er gehörte auch zu jener Gruppe, mit den ersten Studienabschlüssen der Abteilung im Studienjahr 1979/80.
50 Jahre & mehr
Ein Jubiläum ist ein guter Anlass, auf die eigene Geschichte zurückzublicken. Es ist aber auch eine Gelegenheit, darüber zu sprechen, was als Nächstes kommt: Wie verändert sich die künstlerisch-pädagogische Ausbildung? Welche Rolle spielen Kunst und Gestaltung in einer Gesellschaft, die von Bildern, digitalen Technologien und komplexen sozialen Fragen geprägt ist? Und was müssen zukünftige Lehrer*innen können, um Kreativität und kritisches Denken zu fördern?
Diesen Fragen widmet sich das Department im Jubiläumsjahr – mit einem Symposium, Ausstellungen, Gesprächen und einem Wiedersehen mit Absolvent*innen aus fünf Jahrzehnten.
Die Ausstellung „be fifty – BE50: 50 Jahre Bildende Künste & Gestaltung“ in der Stadtgalerie Lehen richtet den Blick auf die Verbindungen zwischen dem Department und der Salzburger Kunstszene. Das Symposium „50 Jahre: Looking back and looking forward“ bringt vergangene und zukünftige Perspektiven der Kunst- und Werkpädagogik zusammen. Und beim Alumni-Treffen werden Erinnerungen geteilt, Erfahrungen ausgetauscht und neue Verbindungen geknüpft.
Fünf Jahrzehnte Bildende Künste am Mozarteum sind damit nicht nur eine Geschichte von aktualisierten Studienplänen (erste Aktualisierung im WS 1981/82), Standorten und wechselnden Bezeichnungen. Es ist eine Geschichte von Menschen, Materialien, Ideen und Möglichkeiten – und von der Frage, wie Kunst und Gestaltung unsere Gegenwart mitprägen können.
Erinnerungen
Ein Hintergrundbericht von Gabriele Berger und Petra Moiser aus der Institutszeitung Jg. 1979, Nr.1: „Zu Beginn des Jahres 1976 wurde das Gerücht wahr: das Mozarteum bekam eine neue Abteilung. Das war das Startsignal für viele Wartende. Über hundert Studienhungrige erschienen Ende April 1976 zur Aufnahmeprüfung. Das Resultat war für die Professoren und Studenten gleichermaßen aufregend, war man doch gespannt, wie sich die erste Zusammenarbeit an dieser neugegründeten Schule entwickelte. Die Voraussetzungen dafür waren vielversprechend, kamen wir ja von verschiedenen Universitäten, Berufen und Ländern. Günstig auch, weil sich Menschen verschiedener Altersstufen trafen. Zwei Monate – solange dauerte unser erstes Semester - hatten wir Zeit einander kennenzulernen. Die neue Abteilung leistete echte Pionierarbeit, nicht nur im Hinblick auf die neue Schulsituation, es gab auch heisse (sic!) Diskussionen am Biertisch.“
„Für den bildnerisch tätigen Menschen besteht der schönste Jahresbericht aus einem Stapel Zeichnungen und Skizzen, einer Rolle von Graphiken, aus Bildern oder Plastiken, welche eine Entwicklung zeigen, aus Werk- und Textilarbeiten, die einen Zuwachs an Verständnis für die gestellten Probleme und einen Fortschritt im Bemühen um deren Bewältigung nachweisen.“ Prof. Ruedi Arnold, Jahresbericht 1982/83
„Legendäres Kunststudium am Mozarteum: die Werkstätten in der Dopplerstraße bleiben unvergesslich!!! Zusammenkommen mit Professor*innen und Mitstudierenden bei Projekten, Vernissagen, Grafikmärkten, Jour fix mit italienischem Essen von Prof. Stejskal, Open House-Partys, Nikolo Auftritte von Prof. Ruedi, Arbeitsexkursionen, Kunstexperimente und Zusammenwirken hat mein Sein sehr geprägt. Da entstand eine kleine MOZ-Familie - generationenübergreifend - bis heute.“ Ulli Gollesch, über die 2000er-Jahre
„Jährlich um den 6. Dezember herum trat Prof. Ruedi Arnold als Nikolaus verkleidet auf und verteilte in Form wohlgesetzter Knittelverse Lob und Tadel an seine Studierenden der Bildhauereiklasse: einem geselligen Abend war so ein erinnerungswürdiges Ritual eingeschrieben.“ Darüberhinaus … „Bei einwöchigen Radtouren der Bildhauereiklasse in die österreichische Landschaft lernte ich wunderbare Provinzen wie die Südoststeiermark oder das Waldviertel vertieft kennen. Unser radelnder Professor Ruedi Arnold mit Pfeife im Mund, Wuschelkopf und schweizerischem Dialekt war dabei mit seiner Studierendentruppe bestaunter Mittelpunkt und Türöffner für großartige Erlebnisse: einmal statt Zeltaufbau im strömenden Regen eine mitternächtliche Führung durch den Abt persönlich im Stift Altenburg mit anschließender geschlechtergetrennter Übernachtung im Schlafsack in klösterlichen Räumen; frühmorgens beim Blick aus dem Zelt in St. Florian völlig unerwartet beim gegenüberliegenden Haus ein extra für unsere Gruppe fertig vorbereitetes Frühstück; vom Buschenschank zum nächsten Kirchlein zum nächsten Buschenschank zur nächsten Kirche und so weiter … freundliche, herzliche Menschen am Land…großartige Landschaften…ein feines Miteinander! Sport, Kulinarik, Kultur und Community.“
Und … „Auch in den 1980er-Jahren war Salzburg keine „Studierendenstadt“. So organisierten Michael Ziegler und ich hin und wieder ein Studi-Fest, wofür im obersten Stock des labyrinthischen Wörle-Baus am Mirabellplatz gleich neben der Malerei der Aktsaal als Tanzraum einen eigenen, kargen Charme entfaltete: emotional entflammt besonders durch meine Lieblingsmusik der „Talking Heads“. Bernhard Gwiggner, über die 1980er-Jahre
„Ich habe es als besondere Fügung empfunden in meinem Studium zwei Malereiprofessuren zu erleben: Peter Prandstetter im ersten Abschnitt und Dieter Kleinpeter im zweiten Abschnitt. Als Abteilung für Malerei logierten wir anfangs über den Dächern des Mozarteums mit Blick von der Dachterrasse auf den Mirabellgarten. Die Arbeitskojen waren zwar schon alle besetzt von Vorgängern und ihrem angesammelten Bestand an Arbeits-Requisiten aller Art und im weitesten Sinn – die Räumung dauerte sicher einige Zeit. Ich habe die Zeit als besonderen Aufbruch auch der Abteilungen Malerei, Grafik und Bildhauerei als solcher in Erinnerung. Die praktischen Bereiche hatten nun ein eigenes, Identität stiftendes Haus bekommen. Die wöchentlichen Plenumszusammenkünfte und die Gespräche gerade auch mit unserem neuen Professor der Malerei Dieter Kleinpeter habe ich in sehr guter Erinnerung als anregenden, kritischen, freundschaftlichen, wertschätzenden, auch immer wieder philosophisch erweiterten Gedankenaustausch. Als Eindruck und gemeinsame Lernerfahrung nahm ich mir daraus mit: Es geht in der Malerei um viel, um Wesentliches, ums Leben, ja im Letzten eigentlich um Alles. Ich habe mehrere Jahre Kunst und Musik nebeneinander im Mozarteum studieren dürfen und bin dafür ganz besonders dankbar. Ich durfte mehrere Studienjahre diesen zwei persönlichen Interessen in besonders breit gefächertem Maße, in einem Haus, unter einem Dach nachgehen. Beide Bereiche bleiben mir weiterhin sehr nahe. Inzwischen blicke ich auf 30 Berufsjahre als Kunsterzieher im Anschluss an mein Studium am Mozarteum dankbar und beschenkt zurück. In Verbundenheit mit allen, die vor mir das Studium BE am Mozarteum aufgebaut haben, mit allen, die ich als Weggefährt*innen und Begleiter*innen erlebt habe und mit all denen, die diesen Weg nach mir gegangen sind, weiterentwickelten und neu gehen: 50 Jahre verbinden uns! Ein Grund zum Feiern! Danke!“ Johannes Weilbuchner, ein Rückblick in die erste Hälfte der 90er-Jahre
Weiterführende Informationen zum Department in den Publikationen:
- „Auf dem Weg zur Kunstuniversität: das Kunsthochschul-Organisationsgesetz von 1970“ – 2021 im Hollitzer Verlag; Beitrag von Hildegard Frauenender. Hgs: Susanne Prucher, Silvia Herkt, Susanne Kogler, Severin Matiasovits, Erwin Strouhal
- Departments, Abteilungen, Institute - Historische Aspekte der Universität Mozarteum, Band 1; 2019 von Ilse Tiebert
Bild- und Unterrichtsmaterialien aus vergangenen Jahren sowie eine Institutszeitung aus 1979 (zur Verfügung gestellt von Wolfgang Richter) befinden sich in unserem Archiv und können nach Vereinbarung eingesehen werden.
Festival 50 Jahre
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17.11.—29.11.2026Galerie DAS ZIMMER, KunstWerk, Stadtgalerie Lehen, DAS KINO, Salzburger Kunstverein
50 Jahre Bildende Künste & Gestaltung 50 Jahre Bildende Künste und Gestaltung am Mozarteum – das ist ein Grund zum Feiern, Reflektieren und Weiterdenken! Von 17. bis 29. November 2026 lädt ein vielseitiges Jubiläumsfestival mit Ausstellungen, Symposium, Diskussion und Filmscreening dazu ein, fünf Jahrzehnte künstlerische Praxis und Vermittlung zu entdecken, aktuelle Positionen kennenzulernen und gemeinsam einen Blick in die Zukunft von Kunst und Gestaltung zu werfen.Festival