Bella Musica und LAUT:SPRECHER in den „Atlas der guten Lehre“ aufgenommen
Zwei Projekte der Universität Mozarteum Salzburg wurden in den renommierten „Atlas der guten Lehre“ aufgenommen. Das Ensembleprojekt „Bella Musica“ aus dem Pre-College sowie die Initiative aus dem Bereich der Hochschullehre zeigen eindrucksvoll, wie die Synthese aus künstlerischer Exzellenz, wissenschaftlicher Reflexion und gesellschaftlicher Verantwortung an einer modernen Kunstuniversität gelingen kann. Beide Modelle setzen neue Maßstäbe für zukunftsorientierte, partizipative Hochschuldidaktik.
Kontakt „Bella Musica“
stefan_david.hummel@moz.ac.at
Kontakt „LAUT:SPRECHER“
yvonne.wasserloos@moz.ac.at
kai.roehrig@moz.ac.at
florentine.klepper@moz.ac.at
Der „Atlas der guten Lehre“ ist ein öffentlich zugängliches Online-Nachschlagewerk, das 2015 von einer Arbeitsgruppe der Österreichischen Hochschulkonferenz ins Leben gerufen wurde. Die Plattform dient als Überblicksinstrument und fördert den Informationsaustausch über innovative Initiativen zur Steigerung der Lehrqualität an Hochschulen. Sie richtet sich an die Fachöffentlichkeit sowie an Personen, die mit der universitären Qualitätsentwicklung befasst sind.
Die Aufnahme von „Bella Musica“ unterstreicht, dass exzellente pädagogische Konzepte am Mozarteum bereits in der Begabtenförderung ansetzen: Hochbegabte junge Musiker*innen im Alter von 14 bis 20 Jahren werden in ihrer Ausbildung meist stark individuell gefordert, „Bella Musica“ erweitert diesen Fokus gezielt um kollaborative Kompetenzen. Unter der künstlerisch-didaktischen Leitung von Stefan David Hummel wurde ein Lernraum geschaffen, der auf reale Anforderungen des späteren Berufslebens vorbereitet: Neben rein instrumentaler Qualität sind heute Teamfähigkeit, Selbstorganisation und Kommunikationskompetenz (Future Skills) gefragt. Die Teilnehmenden lernen in Proben, Konzerten, internationalen Kooperationen und Vermittlungsformaten, musikalische Qualität mit Teamfähigkeit, Selbstorganisation und Kommunikationskompetenz zu verbinden.
Das didaktische Gesamtkonzept basiert auf wegweisenden Methoden:
- Partizipative Probenarbeit: Studierende übernehmen Leitungsaufgaben, gestalten künstlerische Prozesse mit und lernen, Entscheidungen gemeinsam zu treffen.
- Verantwortungsübernahme: Studierende übernehmen eigenständig Leitungsaufgaben, wie etwa die Registerleitung oder das Mentoring bei Stimmproben.
- Internationale Vernetzung: Durch die Einbindung von Partnerinstitutionen entlang der „Europäischen Mozartwege“ entsteht eine sprachlich und kulturell vielfältige Lerngruppe.
Ein besonderes Highlight ist die Kooperation mit der Internationalen Stiftung Mozarteum, die den Teilnehmenden seit 2024 das Privileg bietet, auf historischen Mozart-Originalinstrumenten zu musizieren. Für sein hohes gesellschaftliches Engagement (Third Mission) wurde das Ensemble zudem als Rotary Ambassador gewürdigt. „Bella Musica“ beweist eindrucksvoll, wie historische Erfahrung, musikalische Spitzenqualität und Persönlichkeitsbildung ineinandergreifen.
Mit der Aufnahme von „LAUT:SPRECHER“ erhält die Universität Mozarteum eine prominente Bühne für zukunftsweisenden Lehrkonzepte: Unter der wissenschaftlichen Leitung von Yvonne Wasserloos sowie der künstlerischen Leitung von Florentine Klepper und Kai Röhrig brach das Projekt traditionelle Fachgrenzen auf. Insgesamt sieben Fachbereiche – von der Opernklasse über die Szenografie bis zur Musikwissenschaft – arbeiteten Hand in Hand. Anlass des Projekts war das 80-jährige Ende des Zweiten Weltkriegs.
Das synnergetische Konzept entfaltete sich in drei Säulen:
- Einer Opern-Doppelaufführung, bei der neben Viktor Ullmanns Der Kaiser von Atlantis eine neue, mit dem Verlag Boosey & Hawkes entwickelte Kammerfassung von Simon Laks’ L'Hirondelle inattendue uraufgeführt wurde.
- Dem wöchentlichen Bachelor-Seminar „Musik und Antisemitismus“.
- Dem Symposium nebst Konzert „ERINNERUNGSORTE III“ zum Internationalen Holocaust-Gedenktag, das in Kooperation mit der Hochschule für Musik Mainz stattfand
Der didaktische Kern des Projekts lag in der intensiven Partizipation der Studierenden. Sie verließen die Rolle rein Ausführender: Im Seminar erarbeiteten sie historische Grundlagen, während sie im Konzert „ERINNERUNGSORTE III“ die Programmhefte verfassten und die Moderation übernahmen. Diese aktive Auseinandersetzung mit historisch belastetem Material förderte eine tiefgehende ethische Professionalisierung. Als Modell der „Third Mission“ trug „LAUT:SPRECHER“ den Diskurs über die gesellschaftliche Verantwortung von Kunst direkt in die Öffentlichkeit.