Musik, Theater und Religion: Sepolcri in der Habsburgermonarchie des 18. Jahrhunderts

19.10.2026
Forschungsprojekt
© Johann Fenz

Das Forschungsprojekt widmet sich den diversen musikalischen Aktivitäten vor dem Heiligen Grab, insbesondere den Aufführungen von Sepolcri, die sich an vielen Orten der gesamten Habsburgermonarchie nachweisen lassen. Als paraliturgische Veranstaltungen waren diese ein- oder mehrstimmigen Werke vielfach eng mit einer Predigt verbunden, was ihre theologische Grundierung bezeugt.

FWF: Austrian Science Fund, Project PIN4863425

Laufzeit: 2026–2029

Von Italien aus hat sich die Aufführung von Oratorien vor dem Heiligen Grab (Santo Sepolcro) im katholischen Mitteleuropa verbreitet. Am Wiener Hof wurden diese Tradition bereits 1660 aufgegriffen und von nun an kontinuierlich gepflegt. Doch nicht nur im Umkreis des Kaiserhofes, sondern auch andernorts und keineswegs nur unter dem Einfluss der höfischen Musikpflege, sondern von Adeligen, Klöstern und Kirchen initiiert, entwickelte sich während des Triduum sacrum – von Gründonnerstag bis Karsamstag – nach und nach eine rege Aufführungskontinuität vor dem Heiligen Grab. Da Opern- und Theateraufführungen während der Fastenzeit im 18. Jahrhundert verboten waren, standen sowohl im vokalen als auch instrumentalen Bereich die lokal besten Kräfte zur Verfügung.

Ziel war es, die innere Anteilnahme an der Passio Christi zu wecken und zur Besinnung auf die Erlösung der Menschheit durch den Tod und die Auferstehung Jesu anzuregen. Die Bandbreite der dramatis personae reichte von Werken mit beliebten Figuren aus dem Alten und Neuen Testament über rein allegorische Darstellungen bis hin zu Mischformen, die biblische und allegorische Elemente kombinierten. Infolge ihrer Zugänglichkeit im öffentlichen Raum konnten sämtliche sozialen Schichten an den Aufführungen teilhaben, deren vorgegebene Szenerie und gelegentlich auch Dramatik der Handlung theatralische Elemente einfließen ließen. Der geographischen Spannweite der Sepolcro-Tradition entsprach eine sprachliche Öffnung: Libretti zu den Werken erschienen in verschiedenen Sprachen – Italienisch, Latein, Deutsch und Tschechisch.

Im Projekt wird der Multifunktionalität dieser Dichtungen und nachfolgend Kompositionen in literarischer, musikalischer, religiöser, politischer, sozialer und pädagogischer Hinsicht nachgespürt und anhand der Überlieferung gezeigt werden, wie sich für Dynastien, Ordensgemeinschaften etc. spezifische Merkmale der Musik vor dem Heiligen Grab zu einem für den Kulturkreis der österreichischen und böhmischen Länder sowie Salzburg typischen übergeordneten Ganzen verbinden. Eine systematische Katalogisierung und Erschließung der erhaltenen Libretti vermittelt dazu Einblick in Themen der Werke, ihre Verbreitung und strukturelle Anlage. Die Edition von vier ausgewählten Kompositionen vertieft diese Einblicke in musikalischer Hinsicht und weitere Quellenstudien erschließen den umfassenden Hintergrund dieser kulturellen Leistungen.

Projektteam

  • Ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Hochradner (Mozarteum University), Principal Investigator
  • Univ.-Prof. PhDr. Jana Perutková (Masaryk University Brno), Principal Investigator at external partner institution
  • Ass.-Prof. Mgr. Vladimír Maňas PhD (Masaryk University Brno), Research Assistantship at external partner institution
  • Dr. Matthias J. Pernerstorfer (Mozarteum University), Research Assistantship
  • Dr. Mag. Andrea Zedler (Mozarteum University), Research Assistantship