Werkstatt des künstlerischen Austauschs

11.06.2022
News
Schwarz gekleidete Frau zeigt nach oben, daneben Puppenspieler mit Marionette | © Christian Schneider

Die Internationale Sommerakademie der Universität Mozarteum startet neu und erweitert mit ARCO – Art, Research and Creation Opus und der Sommerakademie Barock (in Siena). Das Programm verbindet Lehrende, Studierende und Musiker*innen aus der ganzen Welt in Salzburg und knüpft kulturelle Verbindungen quer durch Europa.

Die Gründung der Sommerakademie an der Universität Mozarteum im Jahr 1916 durch die Sängerin Lilli Lehmann markiert nicht nur den Beginn einer jahrzehntelang erfolgreichen Akademie für klassische Musik mit hochkarätigen Meisterklassen, Sommerkursen, Werkstattkonzerten und vielfältigen Social Events für und mit Musikerinnen und Musikern aus der ganzen Welt, sondern definierte auch ein breites Feld, in dem die tief verwurzelte Musiktradition fortgeführt und gleichzeitig stets Neues gewagt werden konnte. Über 550 internationale Teilnehmende werden zur Sommerakademie 2022 erwartet, die nach zwei Jahren Pause und das zweite Mal unter der künstlerischen Leitung von Hannfried Lucke, Vizerektor für Kunst an der Universität Mozarteum, unter ganz besonderen Vorzeichen steht: „Unser Neuanfang nach dieser langen Zeit entwickelt sich pandemiebedingt und aufgrund der Kriegssituation in der Ukraine noch etwas zögerlich. Wir sind aber zuversichtlich, dass der Zulauf und die Nachfrage in den nächsten Jahren wieder auf gewohntes Niveau steigen werden.“

Die Sommerakademie ist 2022 auch erstmals Gastgeberin für ARCO – Art, Research and Creation Opus, der französisch-österreichischen Akademie für zeitgenössische Komposition, einer Kooperation der Universität Mozarteum und der Gmem Marseille. „ARCO ist die Weiterentwicklung aus einer vom französischen Komponisten Yann Robin gegründeten Akademie für zeitgenössische Musik und der vormalig deutsch-französischen Sommerakademie OPUS XXI, die beide der Idee folgte, hocharrivierte französische Ensembles internationalen jungen Komponistinnen und Komponisten zur Seite zu stellen, zu einer gemeinsamen und professionellen Finalisierung ihrer Werke bis hin zur öffentlichen Aufführung. Durch die staatliche Förderung, die Ensembles in Frankreich für Vermittlungsarbeit, die Vergabe von Kompositionsaufträgen und für Konzerte erhalten, kann ein außerordentlich hohes Level an Professionalität finanziert werden, das in anderen Kontexten nicht leistbar wäre“, erläutert Rektorin Elisabeth Gutjahr. Seit 2019 erhalten ausgewählte Teilnehmende im Rahmen von ARCO in direkter Arbeit mit den Ensembles Les Métaboles, Ensemble Multilatérale und dem Tana Quartet ein intensives Coaching und unmittelbares Feedback auf ihre Werke. ARCO fand – pandemiebedingt - bisher zweimal in Marseille in einer ehemaligen Tabakfabrik statt, in Zukunft in jährlichem Wechsel auch an der Universität Mozarteum in Salzburg. Dadurch wird zusätzlich eine konträre, kreative Umgebung geschaffen, die auf ganz eigenwillige Art inspiriert. Das Kernteam von ARCO konzentriert sich vorranging auf die Komposition, heuer sind erstmals auch Vokalistinnen und Vokalisten aus dem Mozarteum sowie ein Dirigierstudierender mit dabei. „Es ist wirklich ein Festival, sehr international und mit hochkarätigen Auftragskompositionen. Insofern kreiert es ein ganz eigenes Format, das man so kein zweites Mal findet“, freut sich Elisabeth Gutjahr.

Die beiden Akademien bieten nicht nur den teilnehmenden Musikerinnen und Musikern eine einzigartige Atmosphäre, die reich an Austausch, unmittelbarer Zusammenarbeit, künstlerischer Profilschärfung, Internationalität und wertvoller Praxiserfahrung ist, sondern hält auch für das Publikum einen spannenden Sommer bereit. Den Auftakt machen die beiden Eröffnungskonzerte: ARCO am 9. Juli im Max Schlereth Saal und Sommerakademie am 11. Juli im Solitär. Das Programm von ARCO führt daraufhin unter anderem zu einer ganz eigenen, feinen Produktion im Marionettentheater sowie zu einem besonderen Konzerterlebnis im Museum der Moderne, am Mirabellplatz 1 finden kleine Mittagskonzerte, ein Abendkonzert im Solitär sowie das große Abschlusskonzert statt. „Besucherinnen und Besucher erleben diesen Sommer einen Bogen über ein Programm, das mit ARCO ganz zeitgenössisch beginnt, im Rahmen der Sommerakademie in die Klassik mündet und mit den Wettbewerben und den Veranstaltungen im Rahmen der Festspiele abschließt – unter anderem auch mit einem Konzert zum 100-jährigen Jubiläum der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik. Zusätzlich zu den Festspielen kann man im Sommer ‚in Echtzeit‘ den Nachwuchs sehen und live dabei sein, wenn etwas Neues entsteht“, beschreibt Elisabeth Gutjahr die Besonderheiten des diesjährigen „Akademiesommers“ an der Universität Mozarteum.

Auch die Details aus dem Programm der Sommerakademie stehen bereits fest: „Alexander Gilman wird mit seinen LGT Young Soloists ein fulminantes Eröffnungskonzert gestalten, ausgewählte Studierende zeigen im Rahmen der Kooperation mit der Gemeinde und dem Kulturverein Flachau im Konzertsaal von Schloss Höch ihr Können und die Intensivkurse ‚Young Excellence‘ garantieren ein großartiges Programm für das Abschlusskonzert am 5. August“, gibt Hannfried Lucke erste Ausblicke. Neben bereits bekannten Namen begrüßt die Sommerakademie heuer auch neue Gäste: u.a. den ehemalige Sommerakademie-Preisträger und Konzertpianist Herbert Schuch, die Violinistin Latica Honda-Rosenberg, den Grazer Pianist Markus Schirmer, Alexander Gilman, Violin-Professor am renommierten Royal College of Music in London, den Cellisten Valentin Radutiu, den international gefeierten Bassbariton und KS Andreas Schmidt und die Münchner Geigerin Barbara Doll. Erstmals werden alle Meisterklassen und Zusatzkurse wie auch Konzerte am Mirabellplatz 1 konzentriert und die räumliche Trennung von Gesangs- und Instrumentalklassen der vergangenen Jahre aufgehoben; eine spannende Chance für Neues und für noch intensiveren, interdisziplinären Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden.

Wer diesen Sommer das gesamte Programm der Internationalen Sommerakademie miterleben möchte, dem steht im September noch ein besonderer Höhepunkt bevor - SOAK goes Siena! Gemeinsam mit der italienischen Accademia Musicale Chigiana rief die Universität Mozarteum 2021 die Barocke Sommerakademie ins Leben: Meisterkurse zur Vertiefung des Studiums der Barockmusik in Siena. Aus dem Department für Alte Musik werden acht Lehrende für Konzerte, Meisterklassen und eine konzertant aufgeführte Oper in die musikalisch ruhmreiche italienische Stadt reisen und gemeinsam mit den Teilnehmenden ein sehenswertes Programm als „Abschluss-Festival“ der Sommerakademie in der Toskana gestalten. „Wenn man die künstlerischen Pfade bei der Entstehung neuer Kompositionen nachempfinden, sich mitnehmen lassen, mal ‚Backstage‘ dabei sein möchte, dann ist ein Besuch bei ARCO und der Sommerakademie genau das Richtige: Man kann das erleben, was die Künstlerinnen und Künstler im Moment machen. Dinge erleben, die hier (er-)wachsen. Wie eine Vorpremiere der Uraufführung. Ebenso faszinierend gestaltet sich die musikalische Reise in die Vergangenheit: historische Aufführungspraxis in historisch einzigartigem Ambiente von Siena.“, erklärt Elisabeth Gutjahr lachend.