The Sound of Love - Dieter Huber

28.01.2024
Alumni Story
Dieter Huber | © Marianne Kolar

In den 80er-Jahren studierte Dieter Huber am Mozarteum Salzburg Bühnenbild, Kostümentwurf und Theatermalerei. Heute gilt er als Pionier der computergenerierten Kunst und befasst sich mit sozial relevanten Inhalten, die in Werkzyklen in verschiedenen künstlerischen Techniken realisiert und publiziert werden.

Dieter Huber, Multimedia-Künstler

Salzburg & Wien

 

Bild: Dieter Huber vor SolidGold#84: SelbstSchattenGold / Intervention Literaturhaus Salzburg 2024 / Foto: Marianne Kolar / © dieter-huber.com/bildrecht.at

Seine Projekte über Manipulation, Gentechnik, Freude oder individuelle und soziale Veränderungen wurden weltweit in Ausstellungen gezeigt und Werke in private und öffentliche Sammlungen aufgenommen. Dieter Huber befasst sich neben seiner professionellen Tätigkeit als freischaffender bildender Künstler auch mit Sozialprojekten, die mit Mitteln der Kunst Thematiken wie Flucht/Migration (MARE MORTO), Geschwindigkeit/automobile Mythen (ZWISCHENGAS), Überfluss/Verschwendung/Müll (WASTE), Weltwirtschaft/Geld/Machtstrukturen (ASSETS+CLAIMS), Freiheit und Sicherheit (#SAFE), Spiritualität (SPIRIT) sowie Liebe (AMANTI) behandeln.

 

In den Nachrichten löst gefühlt eine Krise die nächste ab. Im Einladungstext zu Ihrer jüngsten Ausstellung motivieren Sie, indem Sie sagen, schwierige Zeiten helfen uns, unnötig gewordenes abzustreifen, um uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das ist ein schöner Ansatz. Ist das der Grund für ihr aktuelles Werk-Thema „Liebe“?

In der problematischen Covidzeit hat mir ein Freund vom vor zweieinhalbtausend Jahren bereits hoch ausdifferenzierten Liebesbegriff der Griechen erzählt: EROS – Sex, Leidenschaft, Begierde, bis zum feurig irrationalen Kontrollverlust; PHILIA – Formen der Freundschaft; LUDUS – Aspekte des Spielerischen; PRAGMA – reife Liebe, Verständnis, Toleranz, auch Ehe; PHILAUTIA – Selbstliebe, im Gegensatz zum Narzißmus; PAIDERASTIA – für die man heute ins Gefängnis geht und AGAPE – die Nächstenliebe, die danach die Christen als Dauerbrenner seit zweitausend Jahren über die Welt verbreiten. Übrigens ein revolutionäres und hoch aktuelles Konzept! Das wollte ich mir näher ansehen und daraus ist eine über zwei Jahre anhaltende, enorm intensive Recherche mit über 5000 Dokumenten und 1800 selektierten Textpassagen geworden. Infolgedessen entstand der Werkzyklus AMANTI Spiele der Liebe mit 366 Texten und einem Liebesbild für jeden Tag des Jahres sowie die zweibändige 800-seitige Publikation LIEBENDE und GELIEBTE. Für mich wurden die politischen Repressionen zu einer Splendid Isolation mit der Liebe.

Wie wichtig ist das Thema Liebe und was lässt sich über uns und unsere Kultur hinsichtlich der Liebe sagen bzw. zeigen? Sind die Unterschiede zwischen den Kulturen vielleicht gar nicht so groß?

Manche Menschen verstehen die Liebe über den Umweg, was Liebe nicht ist. Sobald wir merken, dass etwas nicht stimmt, wie bei Dominanz, Ignoranz, Nötigung, Instrumentalisierung, Vernachlässigung, ist es sicher nicht Liebe. Für meinen letzten Film LOVE IS ? haben 99 Menschen über die Liebe gesprochen. Da zeigt sich, dass wir unabhängig von Alter, Geschlecht, Sozialisierung, Bildungsniveau und kulturellen Background als menschliche Individuen über das Herz verbunden sind und uns im Grunde nahestehen, selbst wenn wir im alltäglichen Leben unterschiedlichste soziale, politische, materielle, kulturelle, egobasierte oder religiöse Differenzen haben mögen und uns deswegen sogar immer noch bekriegen.

Die großen kulturellen Errungenschaften Gerechtigkeit, Wahrheit, Freiheit, Friede, Solidarität, aber auch Fürsorge, Anteilnahme, Respekt, selbst die Grundlage der Verfassung der EU aus dem faschistischen Panopticon auf Santo Stefano, entstanden aus dem Geist der Liebe. Wenn wir unseren Geist und unser Herz öffnen, sind wir bereit für die Liebe. Sie inspiriert uns und bringt das Beste in uns zum Leuchten. Wir sind dann in der Liebe, wir werden zu Liebe. Wir können die Liebe mit all unseren Sinnen wahrnehmen, auch unser Verstand kennt sie, aber vor allem können wir sie spüren. Wir spüren sie immer öfter, denn sie ist immer da. Wenn wir den Mut entwickeln, uns auf das Risiko einzulassen, uns für die Liebe zu entscheiden, erschaffen wir einen magischen Moment, wir bauen eine Brücke und die Liebe reicht und führt uns die Hand, sie verbindet uns. Zuallererst zu unserem Selbst und wenn wir es wollen, zu Lebewesen, zu Erfahrungen, zu Dingen, zum Schönen, zu allem, für immer. Wir dehnen uns aus, wir wachsen, werden eins mit dem, was wir lieben. So wird die Liebe zum Kommunikationsmittel par excellence.

Nicht nur der Entstehungsprozess Ihrer Kunst ist multimedial. Sie präsentieren Ihre Arbeiten auch in unterschiedlichen Genres. Im Literaturhaus war das Thema Liebe mit Tanz, Gespräch, Lesung, Buchpräsentation („AMANTI. Spiele der Liebe“, Kerber Verlag, 2022), Ausstellung und Film zu erleben. Wie wichtig ist es für Sie, das Publikum auf unterschiedlichen Ebenen zu erreichen?

Als bildender Künstler arbeitet man zunächst alleine, introvertiert. Dieser Rückzug, die Fokussierung auf das Wesentliche, die Recherche, das in die Stille Gehen, schaffen die Voraussetzungen für einen eigenständigen, kreativen, schöpferischen Prozess – sehr ähnlich dem Weg der Selbstfindung. Die Vermittlung von Inhalten und des Werks erfordert gegenteilige Voraussetzungen, man arbeitet extravertiert. Zum einen glaube ich an die Strahlkraft meiner Werke, unabhängig von mir als Künstler. Zusätzlich bespiele ich seit Jahrzehnten eine umfangreiche Website, die aktuell jährlich von etwa 200.000 Menschen besucht wird. Ich biete offenen Zugang für alle und kostenlose Downloads von Bildern, Texten, Filmen bis hin zu vollständigen Publikationen. Trotz meiner digitalen Medien bin ich ein Verfechter und Liebhaber von hochwertigen Büchern, habe für viele Kollegen sowie Museen Bücher gestaltet und produziert und über mein eigenes Werk zwei Dutzend Monografien publiziert. Viele Texte über Bildende Kunst waren mir zu vage und austauschbar, weswegen ich vor Jahren begonnen habe, Vor- bzw. Nachworte zu eigenen Projekten zu schreiben. Meine Bücher sind als Bildlesebücher konzipiert, die Texte von Autoren versammeln, die oft nichts von Kunst, aber viel vom jeweiligen Thema verstehen. Zudem habe ich zu meinen Ausstellungen Begleitveranstaltungen kuratiert, persönliche Führungen, Vorträge – zuletzt über Künstliche Intelligenz – und Erläuterungen zu den einzelnen Projekten durchgeführt.

Bei SOUND OF LOVE unter Einbindung von Musiker*innen, Tänzer*innen, Schauspieler*innen und diverser Technik schließt sich für mich ein Kreis zu meinem Studium am Mozarteum. Hier geht es nicht um Kunst, nicht um die Vermittlung meiner eigenen Werke, sondern darum, durch die Medien Text, Performance, Tanz, Musik, Film, Circle Song, Intervention, Bücher, Bildende Kunst und mit einer Liebesgabe für jeden Gast gemeinsam mit dem Publikum einen Abend lang eine Atmosphäre der Liebe zu schaffen. Liebe ist eine erlernbare Kulturleistung. Das vielfältige, höchst positive Feedback bestätigt uns.

Auf Ihrer Webseite fand ich folgende Aussage: „Die Innovation in der Kunst zeigt sich in der Technik, die Relevanz im Inhalt.“ Was wollen Sie mit Ihrer Kunst vermitteln, was soll bleiben?

Kunst ist keine Eigentherapie, kein Hobby, kein Zeitvertreib, kein Spiel der Launen und Attitüden. Neben der innovativen formalen Qualität muss Kunst für mich einen sozial bzw. individuell relevanten Inhalt bieten. Kunst um der Kunst willen interessiert mich höchstens als Konsument. Ich habe mich seit dem Studium mit Themen befasst, die ich für bedeutend, aber in der Wahrnehmung und Rezeption für unterrepräsentiert hielt: Gentechnik und Manipulation, Migration, Freiheit und Sicherheit, Überfluss und Verschwendung, Geschwindigkeit, Bewusstsein etc. Die Themen und deren Visualisierung sowie Materialisierung sind natürlich im Kontext der Zeit zu betrachten – wie überzeitlich und grundsätzlich die Umsetzung im einzelnen Werk gelungen ist, wird die Nachwelt bestimmen.

Sie sagen auch, dass „es mehr im Leben gibt, als sich nur an Limits zu halten.“ Welche Limits möchten Sie überschreiten?

Ich weiß gar nicht, woher Sie das haben. Klingt allerdings nach einem früheren Ich. Es geht um Grenzüberschreitung, die eigene Angst immer wieder zu überwinden. Wir leben in einer Welt, die einerseits stark durchökonomisiert ist, aber dennoch immer mehr und bis ins Detail reglementiert und kontrolliert wird. Wie wir sehen, führt das zu einer infantilen, unselbständigen und abhängigen Gesellschaft. Viele Menschen wollen nicht mehr erwachsen werden – kaufen, spielen, konsumieren immer mehr und eine permanente Ablenkung sind vorrangig. Dafür mag es im Detail eine Menge plausibler Gründe geben, die Grundfrage ist aber nicht: „Was steht mir zu?“, sondern: „Was vermag ich zu bieten und beizutragen?“. Fakt ist: Je mehr wir zu uns selbst kommen, desto weniger Schutz und Geländer benötigen wir. Nur wenn wir bei uns angelangt sind, leben und handeln wir authentisch. Wie bei der Liebe entsteht die Freiheit zunächst in uns selbst. Frei wovon und wofür, entscheiden wir ebenfalls selbst. Die Auflösung der Bewertungen, die Reduktion des Egos, die Infragestellung von Gewohnheiten und Glaubenssätzen – es gibt eine Menge Limits, die durchschritten werden wollen. Die großen und wichtigen Grenzüberschreitungen finden in uns statt, den einen oder anderen Regelbruch dürfen wir uns im „Unsinn der Welt“ ebenfalls gönnen. Ich betrachte die menschliche Existenz als einen lebenslangen Entwicklungs- und Lernprozess, eine Ganzwerdung durch Verfeinerung auf allen Ebenen zur höchstmöglichen Vervollkommnung bis zum körperlichen Tod.

Wie kamen Sie vom Bühnenbild und dem „theaternahen Handwerk“ zum freischaffenden bildenden Künstler? Wie war der Weg zur Computergenerierten Kunst?

Nach einigen Ausflügen in die Theaterwelt (Ruhrfestspiele Recklinghausen, Salzburger Festspiele, weltweit erstes Holografieprojekt am Marionettentheater, Bühnenbildner, Theatermaler, Bühnentechniker) war mir klar: Das ist nicht meine Welt. Mich störte die Dominanz der Regisseure ebenso wie die Affektiertheit der Schauspieler*innen und Sänger*innen. In dieser Welt schien mir alles oberflächlich und selbst das Bedeutende nur eine Attitüde. Also habe ich als selbständiger Maler begonnen, Texte in Bilder eingebaut, mit Fotografie gearbeitet, Interventionen im öffentlichen Raum realisiert und 1986 mein erstes Computerbild erstellt: In einer Radierung von Francisco de Goya, einem Landschaftsbild, habe ich in einem geschlossenen steinernen Turm digital ein Fenster eingebaut. Ein sehr kleiner Eingriff mit großen Folgen für mein gesamtes weiteres Leben. Mir war schlagartig bewusst, dass dieses Licht, das ich mit meiner digitalen Retusche in diesen Turm brachte, alles verändern würde. Der bislang geltende Wahrheitsanspruch einer Fotografie, unsere aktuelle Sicht auf die Welt waren somit obsolet.

Das führte mich zu meinem erfolgreichsten Werkzyklus KLONES. 1990 wurde das internationale Human Genom Project ins Leben gerufen, mit dem Ziel, das gesamte Genom des Menschen vollständig zu entschlüsseln. Es gab die Vorstellung, dass durch die vollständige Sequenzierung der Chromosomen der Basenpaare der Mensch von Krankheiten geheilt, Fähigkeiten optimiert und letztlich ein völlig neues Menschenbild geschaffen werden könnte. Ich übertrug diesen Vorgang visuell auf Bilder. Analoge Aufnahmen der Welt wurden digitalisiert, am Computer nach eigenen Vorstellungen verändert und wieder ins Analoge eines Kunstwerks zurückgeführt. Bei Pflanzen wurde das allgemein als schön wahrgenommen, bei Landschaften schieden sich die Geister, beim menschlichen Abbild wurde es problematisch und bei den Geschlechtsmerkmalen – als individuellster körperlicher Ausdruck, wurde es enorm schwierig. Das Prinzip ist allerdings in allen Bereichen dasselbe.

Dieser Werkzyklus, 1993 begonnen, wurde vier Jahre lang nirgends gezeigt – eine sehr lange Zeit für einen jungen Künstler. Damals galt noch die Frage, ob Fotografie Kunst sein könne. Von computergenerierten Bildern gar nicht zu sprechen. Erst als die genetische Debatte in den Medien ankam, folgten die ersten Ausstellungen und Beteiligungen – zunächst in Deutschland, dann in einigen Ländern in Europa, USA, Australien und China. Werke wurden in internationale Sammlungen aufgenommen wie Saatchi Collection London, Fundation Caixa de Pensions Madrid, Sammlung der DZ Bank Frankfurt, Österreichische Kunstsammlung Wien. Diese Werke wurden von Galerien in mehreren Ländern auf internationalen Kunstmessen vertreten und durch Peter Weiermair hatte ich 1999 meine erste Personale in einem Museum. Ich hatte mit KLONES in der Welt der Kunst eine Marke geschaffen, die das Potential für einen internationalen Markt und Karriere in sich trug. Zwei Bücher über die insgesamt 137 Arbeiten sind erschienen und ich war mit der Arbeit fertig. Der Markt verlangte nach mehr, doch ich stieg aus.

Welche Rahmenbedingungen brauchen Künstler*innen?

Die Frage ist nicht allgemein zu beantworten. Regisseur*innen, Sänger*innen, Musiker*innen, Schauspieler*innen etc. arbeiten im Verbund, sind in vielen Fällen Dienstleister*innen und benötigen ein Engagement und durch Fair Pay sollten sie auch halbwegs davon leben können. Es gibt allerdings einen fundamentalen Unterschied zwischen Komponist*innen und Sänger*innen. Die Fragen, wo Kunst beginnt, ab wann etwas als Kunst bezeichnet werden kann, sind fließend. Mich interessieren Künstler*innen als Solist*innen, die nicht interpretieren, sondern versuchen, etwas Neues in die Welt zu bringen. Um es ganz hart zu formulieren: es braucht keine besonderen Rahmenbedingungen. Die mittlerweile vielfältigen Förderungen klingen zunächst erfreulich, führen im Einzelfall zu Großem, aber meist zu einer Vielfalt im Mittelmaß. Jeder Mensch, auch Künstler*innen, die etwas für die Gesellschaft beitragen und leisten, sollte einfach adäquat bezahlt werden. Wirkliche Künstler*innen werden und müssen ihre Kunst realisieren, unabhängig von Umständen und der Außenwelt, sie haben von sich aus kaum eine andere Wahl.

Eine Forderung an die Politik seit über 40 Jahren ist: Kunst endlich vollumfänglich steuerlich absetzbar zu machen. Wir werden vom Staat zu Miniunternehmern mit enormer Bürokratie verpflichtet, dürfen aber unser „Produkt“ und unsere „Dienstleistung“ nicht gleich jeder anderen Firma verkaufen. Würde das endlich umgesetzt, könnten viele Künstler*innen auf jeden Cent aus der öffentlichen Hand verzichten.

Welche Aufgabe hat Kunst aus Ihrer Perspektive?

Kunst leistet einen Beitrag für die Entwicklung des Individuums, für die Gesellschaft, und arbeitet an der Frequenzerhöhung des Massenbewusstseins und lenkt den Fokus auf wichtige unterrepräsentierte Themen.

Was ist das Schöne an Ihrem Beruf?

Ich sehe Kunst als Berufung. Sich die Freiheit zu nehmen, sich mit dem zu befassen, das man für relevant hält und es so umzusetzen, wie es adäquat ist – unabhängig von allem anderen. Zudem halte ich die Verknüpfung von Kunst und Leben – das persönliche „Erleben“ eines Themas für extrem wichtig. Beispielsweise habe ich für ein „Küchenbild“ 11 Tage und Nächte als „Handlanger für Alles“ am untersten Level in einem Sternerestaurant gearbeitet, für AIRBORN einen Pilotenschein gemacht, um die erforderlichen Luftaufnahmen direkt durchzuführen, für #SAFE mit Polizei, Heer und dem Einsatzkommando Cobra kooperiert, als Key Account Manager gearbeitet, um mit Rüstungsproduzenten auf der ShotShow in Las Vegas persönlich zu verhandeln, für MARE MORTO über Jahre die süditalienischen Inseln nach Fundstücken der Flucht abgesucht, bin für ZWISCHENGAS über 300 km/h gefahren, für WASTE in Mülldeponien und militärische Sperrgebiete eingedrungen und für SPIRIT habe ich jahrelang meditiert. Die Theorie verschafft den Überblick, die persönliche Praxis erst eine Sicht aus dem Inneren.

Wie sehen die schwierigen Zeiten in Ihrem Beruf aus?

Wenn die überaus wichtigen und notwendigen Zweifel an der Welt und die Selbstzweifel überhandnehmen, wenn man nicht mehr weiß, wie man Rechnungen pünktlich bezahlt, wenn über lange Zeit das eigene Werk ignoriert wird, wenn man spürt, das ein Werk nicht bestmöglich gelungen ist, wenn man persönliche Grenzen im Moment nicht zu überschreiten vermag.

Was wollen und können Sie jungen kunstschaffenden Menschen mit auf den Weg geben?

Wenn ich Kinder hätte, die Künstler werden wollten, würde ich alles unternehmen, um sie davon abzubringen und mit ihnen andere Optionen überlegen. Aber wenn es gar nicht anders ginge, würde ich sie voll unterstützen. Der Weg der Kunst ist steinig und hart. In jungen Jahren war ich ständig unterwegs – Ausstellungen, Kunstmessen, alles Interessante wollte ich verschlingen. Diese Methode schafft zunächst einen Überblick, beeinflusst aber zumindest unbewusst das eigene Werk. Mittlerweile betrachte ich so wenig Bildende Kunst wie möglich. Das hilft mir, das Ureigenste aufsteigen zu lassen. Die Quelle ist im Inneren und in der Welt, nicht in der Kunst anderer. Kurz: möglichst wenig nach links und rechts sehen, das Persönliche und Eigenständige entwickeln – unabhängig von der Resonanz im Außen. Auf lange Sicht ist das die einzige Chance auf eine nennenswerte künstlerische individuelle Äußerung.

dieter-huber.com (Öffnet in neuem Tab)

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