Ringvorlesung Positionen
Institut for Open Arts
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Franz-Josef-Straße 18
5020 Salzburg
Ringvorlesung
Positionen
Donnerstags 11:30–13:00 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober 2026 · 11:30–13:00 Uhr
Marco Döttlinger
The lecture presents compositional and performative strategies for “machina inquieta”, a digital feedback instrument inspired by W. Ross Ashby’s Homeostat. Instead of seeking equilibrium, its four coupled synthesis units continuously listen to themselves and to each other. Their feature-feedback loops, built from hand-made Small-Data sets and neural network mappings, keep the system in persistent multistability. Drawing on theories of emergence, I try to examine whether the musical structures of the resulting piece, “musica inquieta”, can be called emergent. This work also proposes a performance practice of minimal intervention, grounded in listening and restraint rather than control.
Marco Döttlinger is an Austrian artist, educator and researcher in the fields of composition, digital media art and sound art. His works are primarily concerned with micro-temporal shifts on the boundary between flow and stasis, mainly related to generative and algorithmic procedures in time based arts. He studied composition, computer music and music theory in Salzburg, Paris and Basel and is a member of NAMES – New Art and Music Ensemble Salzburg, Lecturer at SEM – Studio for Electronic Music at Mozarteum University Salzburg and Researcher at mdw Vienna in the Project Spirits in Complexity PEEK AR821.
Donnerstag, 22. Oktober 2026 · 11:30–13:00 Uhr
Ort: Archiv der Salzburger Festspiele
Margarethe Lasinger
Transformationen des Archivs und das Museum des Flüchtigen
Das 1962 gegründete Archiv der Salzburger Festspiele ist eines der umfangreichsten erhaltenen Theaterarchive Österreichs, das neben Dokumenten und Publikationen auch Bühnen- und Kostümentwürfe, Libretti und Noten, Fotografien, Baupläne sowie zahlreiche Artefakte verschiedener Inszenierungen aus den Beständen diverser Werkstätten beherbergt. Diese Artefakte machen das Festspielarchiv zu einem hybriden Konstrukt, einer Mischung aus Archiv, Sammlung und Bibliothek. Im Rahmen der Vorbereitungen für die Landesausstellung Das große Welttheater – 100 Jahre Salzburger Festspiele im Jahr 2020 wurden kuratorische und performative Projekte unter Nutzung der Bestände des Archivs entwickelt. Daraus entstand das Konzept für ein dynamisches Festspielarchiv, das 2023 zur Neupositionierung führte. Damit wurde auch der Prozess der Transformation zu einem „Lebendigen Archiv“ gestartet, das sich als dynamischer Raum begreift, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufeinandertreffen und darüber reflektiert wird, wie Erinnerung, Geschichte und Ephemeres bewahrt bzw. immer wieder neu erzählt werden können. Bei einem Besuch im Archiv der Salzburger Festspiele (Neutorstraße 25) wird die permanente Ausstellung besichtigt und die Transformation des Festspielarchivs vom statischen Aufbewahrungsort der Vergangenheit zum Experimentierraum für immersive Erlebnisse und virtuelle Rekonstruktionen, zum Laboratorium für interaktives Storytelling erläutert.
Margarethe Lasinger ist den Salzburger Festspielen seit 1997 verbunden. Sie leitet die Abteilungen Dramaturgie und Publikationen sowie seit 2022 zudem das Festspielarchiv. Zum Festspiel-Jubiläum 2020 kuratierte sie gemeinsam mit Martin Hochleitner die Landesausstellung Großes Welttheater – 100 Jahre Salzburger Festspiele. Zuletzt entwickelte sie neue Formate zur Präsentation von Archivmaterialien im Living Archive.
Donnerstag, 5. November 2026 · 11:30–13:00 Uhr
Maria Herz
Research und Funding im Focus: Forschungsmanagement am Mozarteum
Was macht eigentlich das Forschungsmanagement – und wie unterstützt es Forschende und Kunstschaffende an der Universität Mozarteum? In diesem Kurzvortrag möchte ich Einblick in die Tätigkeiten unserer Abteilung, Informationen zu aktuellen Fördermöglichkeiten geben und unsere Aktivitäten innerhalb und außerhalb der Universität zeigen.
Donnerstag, 12. November 2026 · 11:30–13:00 Uhr
Claudia Lehmann
The Physics Years
Das Modell geht der Realität voraus. Das Higgsfeld, die Massen der Quarks: Vieles, was die Physik heute als gegeben hinnimmt, könnte aus einer einfacheren Grundtheorie hervorgehen. Die Arbeit „Gauge Covariant Multiscale Analysis of Complex Systems“ (2004) liefert dafür mathematische Werkzeuge und entwirft ein Modell, wie das funktionieren könnte. Damit stellt sich eine alte Frage neu: Bilden Modelle die Welt ab, oder bringen sie sie erst hervor? Und was geschieht im Zwischenraum zwischen Vorstellung und Bestätigung, der womöglich nur in einer fünften Dimension liegt?
Irgendwann bevor Claudia Lehmann zum Institut für Open Arts gekommen ist, beschäftigte sie sich mit Theoretischer Elementarteilchenphysik, u.a. am Deutschen Elektronensynchrotron in Hamburg. „Gauge Covariant Multiscale Analysis of Complex Systems“ ist der Titel ihrer Dissertation, der sie sich versucht, nach vielen Jahren nochmal anzunähern.
Donnerstag, 19. November 2026 · 11:30–13:00 Uhr
Ort: HCI Lab, Universität Salzburg (Fachbereich AIHI, Abteilung Human-Computer Interaction), Jakob-Haringer-Straße 8
Martin Murer
An diesem Termin führt uns Martin Murer an seine ehemalige Wirkungsstätte, das Center for Human-Computer Interaction der Universität Salzburg – versteckt im vermeintlichen Grau des Techno-Z in Itzling. Dort erkunden wir, wie aus gestalterischen und künstlerischen Positionen Grundlagenforschung entstehen kann, was passiert, wenn Artefakte nicht das Ergebnis, sondern der Ausgangspunkt kreativer Prozesse sind, und warum man Ausstellungsbesucher*innen manchmal die Schuhe ausziehen muss.
Martin Murer ist seit dem Wintersemester 2026/27 Universitätsprofessor für Technik- und Designdidaktik am Department für Bildende Künste und Gestaltung. In seiner Arbeit verbindet er gestalterische Praxis, Technologie und Forschung mit Fragen des Lernens, Verstehens und Vermittelns. Ausgebildet als Informations- und Ausstellungsdesigner führte ihn sein Weg über die interdisziplinäre Designforschung zu einer Promotion im Forschungsfeld Human-Computer Interaction. Als Forscher, Designer, Lehrender und Creative Technologist beschäftigt er sich unter anderem mit materialbasierter Gestaltung und digital-physischen Artefakten sowie mit der Zugänglichkeit von Making und digitaler Fertigung. Nach vielen Jahren in Forschung und Lehre an der Universität Salzburg bringt er diese Perspektiven nun in die Technik- und Designdidaktik ein – an den Schnittstellen von gestalterischer und künstlerischer Praxis, Technologie und Materialität.
Donnerstag, 26. November 2026 · 11:30–13:00 Uhr
Donald Kraemer
Fiktionales Storytelling. Von der Idee bis zur Sendung, am Beispiel von „Am Ende der Worte“ (Nordlicht, NDR)
Am Beispiel des Debütfilms „Am Ende der Worte“ (D 2021) werden die zentralen Phasen einer Filmproduktion, mit Blick auf das fiktionale Erzählen vorgestellt. Von der ersten Idee bis zur Ausstrahlung bzw. Veröffentlichung. Was ist eine tragfähige Idee für einen fiktionalen Filmstoff? Wie präsentiert man seinen Pitch und warum ist Marktanalyse bereits für Autor*innen wichtig. Zentral ist die Auswahl der richtigen Partner und das nicht nur für die Stoffentwicklung, sondern auch bei der Finanzierung und Produktion. Die Distribution ist inzwischen ein wichtiger Aspekt für den Erfolg und sollte bei der Stoffentwicklung mitgedacht werden. Anhand von Auszügen aus Exposé und Drehbuch, sowie dem fertigen Film wird die Frage diskutiert, wo finden sich die Kreativen in diesem Prozess wieder.
Donald Kraemer, Autor, Regisseur, Produzent und Redakteur (NDR, Film & Serie) / Studium Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft an der FU Berlin. Tätig als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent für unterschiedlichste Projekte im Bereich Fernsehfilm und Serie, u.a. für ARD, ZDF, WDR, NDR, sowie RTL, Sat1, Pro7. Aktuell verantwortlich als Redakteur beim NDR für Formate wie Tatort, Fernsehfilme und Donnerstagskrimis, wie „Nord bei Nordwest“ und „Der Usedom Krimi“. Darüber hinaus Entwicklung und Realisation von Streaming-Serien wie „Schwarzes Gold“ und „Die Toten von Marnow“, sowie Debütfilme der Nachwuchsreihe Nordlichter.
Donnerstag, 3. Dezember 2026 · 11:30–13:00 Uhr
Online
Cornelia Sollfrank
Breathing Data. The Art of Self-Quantification
Atmen ist eine zutiefst relationale Technik. Es schafft eine innige Verbindung zwischen dem Individuum und seiner Umgebung und verknüpft den inneren physiologischen Zustand mit äußeren Rhythmen. Atmen spiegelt emotionale und mentale Zustände wider und beeinflusst diese, wodurch ein kontinuierlicher Rückkopplungskreislauf zwischen Körper und Geist entsteht. Durch bewusste Atemübungen können Menschen diese Beziehung steuern und den Atem als Mittel nutzen, um physiologische und psychologische Prozesse in Einklang zu bringen.
„Breathing Data“ ist ein introspektives Forschungsprojekt, das Kunst und Wissenschaft durch ein von der Künstlerin durchgeführtes Selbstexperiment miteinander verbindet. Über einen Zeitraum von drei Monaten führt sie als Forscherin täglich Atemübungen durch und erfasst mithilfe modernster Sensortechnologien systematisch physiologische Daten. Die Studie basiert auf der Hypothese, dass regelmäßige und bewusste Atemübungen zu messbaren Verbesserungen bei wichtigen Gesundheitsindikatoren wie Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität (HRV), Atemfrequenz und Schlafqualität führen können.
Die Methodik umfasst das strukturierte Erlernen und Anwenden von Pranayama-Atemübungen (yogische Atemtechniken) sowie die sorgfältige Erfassung und den Vergleich der gesammelten Datenpunkte, einschließlich eines Fragebogens, der tägliche Ereignisse und das Wohlbefinden auf subjektiver Ebene erfasst. Ausgehend von der Untersuchung, wie sich die tägliche Datenerhebung auf das Verhalten auswirkt und wie sich die Praxis in den Daten widerspiegelt, zielt die Forschung zudem darauf ab, sowohl die befähigenden als auch die problematischen Auswirkungen datengestützter Praktiken zu ermitteln. Ein entscheidender Aspekt des Projekts ist die Beziehung zwischen Messung und Selbstwahrnehmung. Die Konfrontation zweier unterschiedlicher Erkenntnissysteme löst einen inneren „Dialog mit den Daten“ aus, in dem die Forscherin ständig verschiedene Informationsformen miteinander in Einklang bringt, gegeneinander abwägt und ihr Verhalten entsprechend anpasst, wodurch die dynamische Beziehung zwischen Quantifizierung und Wahrnehmung, zwischen Bewusstsein und Körperlichkeit, zwischen Geist und Materie deutlich wird.
Cornelia Sollfrank (PhD) ist Künstlerin, Forscherin und Autorin und lebt in Berlin. Wiederkehrende Themen in ihrer künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit im Bereich der digitalen Kulturen sind künstlerische Infrastrukturen, neue Formen der (politischen) Selbstorganisation, kritische Autorschaft, die Ästhetik von Commons sowie techno-feministische Praxis und Theorie. Ihre Projekte „net.art generator“ – eine webbasierte „Maschine“ zur Kunstproduktion – und „Female Extension“ haben ihr den Ruf als Pionierin der Netzkunst eingebracht. Aktuelle Forschungsprojekte an der Zürcher Hochschule der Künste: „Latent Spaces. Performing Ambiguous Data“ und „Creating Commons“. Aktuelle Publikationen: „Re/Embodied Data. Ambiguities of Knowing“, Michelle Christensen, Florian Conradi, Cornelia Sollfrank, Felix Stalder (Hrsg.), adocs, Hamburg; „Contemporaneity in Embodied Data Practices“ (Sternberg Press), „The beautiful Warriors. Technofeministische Praxis im 21. Jahrhundert“ (minorcompositions.org), „Aesthetics of the Commons“ (diaphanes.net) und „Fix My Code“ (zusammen mit Winnie Soon) (eeclectic.de). Homepage: artwarez.org
Donnerstag, 10. Dezember 2026 · 11:30–13:00 Uhr
Jan Groos
Der Vortrag beschäftigt sich mit der Rolle gesellschaftlicher Zukunftsvorstellungen für politische und soziale Transformation und fragt, warum utopisches Denken gerade heute von besonderer Bedeutung ist. Ausgehend vom Podcast Future Histories wird das Podcasten als Forschungspraxis und Methode angewandten Utopisierens vorgestellt. Am Beispiel demokratischer Wirtschaftsplanung wird diskutiert, wie alternative gesellschaftliche Zukünfte kollektiv erkundet und konkrete Perspektiven gesellschaftlicher Veränderung entwickelt werden können.
Jan Groos ist Forscher, Filmemacher und Podcaster. Er ist Leiter des Media Labs am Fachbereich für Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg, sowie Gründer und Head of Research des Future Histories LAB. Im Zentrum seiner Forschung stehen demokratische Zukunftsgestaltung, kritische Medienpraxis und öffentliche Wissensproduktion. Seine Arbeit zu demokratischer Planung und seine öffentliche Forschung im Rahmen des Podcasts Future Histories machen ihn zu einer auch international wahrgenommenen Stimme im Feld demokratischer Transformationen und alternativer Zukünfte. Jan Groos hat Bildende Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Wien studiert und zu „Soziotechnischen Imaginationen algorithmischer Regierungskunst“ im Fach Soziologie promoviert. Er war Leiter des Forschungsschwerpunkts Demokratischer Wandel und Wissen am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) und Research Fellow am Berliner Weizenbaum Institut und dem Remarque Institut der New York University. Er ist affiliierter Forscher am Forschungsschwerpunkt digitale_kultur der Fernuniversität Hagen, dem Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) und am Critical Data Lab der Universität Oldenburg sowie Ko-Organisator des Alternatives to Capitalism Netzwerks der Society for the Advancement of Socio-Economics (SASE). Jan ist Gründer und Forschungsleiter des Future Histories LABs. Seit 2020 betreibt er zudem Metalepsis – ein kleines Unternehmen spezialisiert auf anspruchsvolle Wissensproduktion in den Formaten Podcast, Video und mehr.
Donnerstag, 17. Dezember 2026 · 11:30–13:00 Uhr
Yvonne Wasserloos
Musik und (Ohn-)Macht
Das emotionale und emotionalisierende Transzendenzpotenzial der Musik kann als ihre klarste Profilierung und zugleich Schwäche gelten. So, wie Musik vereinnahmen kann, so anfällig ist sie durch ihre Ambivalenz auch für die manipulative „Verführung“ und Verblendung. Verschiedene Beispiele aus dem 20. und 21. Jahrhundert zeigen die Funktionen und Funktionalisierungen der Musik auf, v.a. auch im Zusammenspiel mit den anderen Künsten. Am Ende bleibt die offene Frage zu diskutieren, wo und wie die Demarkationslinien von Kunst, Deutung und Gebrauch verlaufen.
Yvonne Wasserloos studierte an der Universität Münster Musikwissenschaft, Neuere und Neueste Geschichte, Germanistik (Schwerpunkt Literaturwissenschaft) und Skandinavistik (Schwerpunkt dänische Sprache und Kultur). Sie promovierte in Münster mit einer Dissertation zum deutsch-dänischen Kulturtransfer zwischen dem Leipziger und Kopenhagener Musikleben im 19. Jahrhundert und habilitierte sich an der Folkwang Universität der Künste Essen mit der Schrift Musik und Staat. Dimensionen der Interaktion im 20. Jahrhundert. Als Gastdozentin und -professorin für Musikwissenschaft und Kulturgeschichte war sie an europäischen Universitäten und Hochschulen (Kopenhagen, London, Leuven, Berlin, Düsseldorf u.a.) tätig. Von 2017 bis 2022 hatte sie eine Professur für Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Theater Rostock inne, bevor sie im Oktober 2022 die Universitätsprofessur für Musikwissenschaft an der Universität Mozarteum Salzburg übernahm. Dort gründete sie den Arbeitsschwerpunkt „Musik und Macht – Dimension und Kontext“ (AMUM), aus dem im Dezember 2025 das „Interdisziplinäre Institut für Politische Musik und Macht“ hervorging. Im November 2025 wurde ihr von der Stadt Salzburg der „Internationale Hauptpreis für Forschung und Wissenschaft“ des Kulturfonds für ihre herausragenden Forschungsleistungen zu „Demokratie, Friedensförderung und kulturelle Verantwortung in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik“ verliehen.
Donnerstag, 7. Januar 2027 · 11:30–13:00 Uhr
Simon Blatt
Die Kunst, nichts zu wissen – Alltag in der mathematischen Forschung
Von außen wirkt Mathematik wie ein Fach der fertigen Antworten. Im Forschungsalltag ist es umgekehrt: Die meiste Zeit verbringt man mit Fragen, auf die niemand eine Antwort kennt, auch man selbst nicht. Wochen voller Sackgassen, Skizzen auf der Tafel, die am nächsten Morgen falsch sind, Gespräche beim Kaffee, aus denen unerwartet eine Idee entsteht. In diesem Vortrag gebe ich Einblick in meine Arbeit als Mathematiker in der geometrischen Analysis an der Universität Salzburg: wie ein Problem entsteht, wie ein Beweis langsam Form annimmt und was ein Ergebnis „schön“ macht. Ich spreche über Intuition und Strenge, über Einsamkeit und Kollaboration, über Scheitern als normalen Teil der Arbeit, aber auch über weniger romantische Dinge wie Gutachten, Anträge, Lehre und KI in der Mathematik. Vielleicht ist das mathematische Arbeiten dem künstlerischen näher, als man denkt: im Umgang mit Ungewissheit, in der Suche nach Form und darin, etwas zu schaffen, das es vorher nicht gab.
Simon Blatt studierte Mathematik mit Nebenfach Physik an der TU München und der Universität Bonn. Nach seiner Promotion 2008 an der RWTH Aachen forschte er als Postdoc am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam, an der ETH Zürich, an der University of Warwick und am KIT Karlsruhe. 2015 kam er als Assistenzprofessor an die Paris Lodron Universität Salzburg, wo er seit 2018 als Assoziierter Professor für Analysis am Fachbereich Mathematik tätig ist.
Donnerstag, 14. Januar 2027 · 11:30–13:00 Uhr
Marlen Mairhofer
Niemand kann zwei Herren dienen (Mt. 6,24). Ein Gespräch über (weibliches) Schreiben zwischen Wissenschaft und Kunst
Schreiben ist eigentlich ganz einfach. Man braucht dafür nur einen Stift und einen Zettel. Oder doch ein MacBook? Und ein Zimmer für sich allein – oder jedenfalls ein Dach über dem Kopf. Man braucht vielleicht so etwas wie Phantasie, die man so lange mit „ph“ schreiben darf, bis man einen Lektor bekommt, oder sehr, sehr viele Quellen, wenn man sich akademisch qualifizieren will. Man braucht eine Krankenversicherung und irgendwann vermutlich einen findigen Steuerberater. Und man braucht eine gute Antwort auf die Frage: Was machst du eigentlich beruflich? Als Autorin und Literaturwissenschaftlerin, die nie genau weiß, in welcher Reihenfolge sie ihre Berufe angeben soll und ob das überhaupt Berufe sind, gibt Marlen Mairhofer Einblicke in ihr Arbeiten in der und über die Literatur.
Marlen Mairhofer, 1991 in Steyr geboren, studierte Germanistik und lebt in Salzburg. Ihre Dissertation In Austausch begriffen. Ökonomien der Differenz bei Ingeborg Bachmann, Marlen Haushofer und Hélène Cixous ist 2025 im Sonderzahl Verlag erschienen. Ihr Debütroman »ALICE« (Jung und Jung 2026) wurde für den Österreichischen Debütpreis 2026 nominiert.
Donnerstag, 21. Januar 2027 · 11:30–13:00 Uhr
Inês Cardoso
Ecologies of the Expanded Poem: An Introduction to Ecocriticism and Experimental
How does experimental poetry become a mode of ecological thinking? This seminar brings ecocritical perspectives into dialogue with expanded poetic practices, focusing on spatial poetry, installation, and performative interventions in public and shared spaces. It considers the role of formal, material, bodily, and relational procedures in ecopoetic practice. Through selected examples, we will examine how such operations intersect with the critical and self-reflexive dimensions of experimental poetics.
Inês Cardoso is an invited Assistant Professor at the Faculty of Arts and Humanities of the University of Porto (FLUP) and a researcher at the Institute for Comparative Literature (ILCML). Her research explores the intersections between literature, politics, and inter/transmediality, with a focus on experimental and expanded poetics of the twentieth and twenty-first centuries. She is a founding editor of SKHEMA: Interarts Magazine (skhemagazine.com) and a team member of the Digital Archive of Portuguese Experimental Literature (po-ex.net).