Persönliche Überreichung der Ehrenprofessur an Maria Kalesnikava
In Anerkennung ihres Handelns und Einsatzes für gesellschaftliche Freiheit und demokratische Grundwerte verlieh die Universität Mozarteum im Rahmen des langfristig angelegten Projekts „Practicing Care – Fürsorgenetzwerk einer Kunstuniversität“ Maria Kalesnikava eine Ehrenprofessur, die für zahlreiche Aktivitäten ein starkes Zeichen setzen soll. Am 5. Oktober konnte Maria Kalesnikava ihre Ehrenprofessur persönlich entgegennehmen. Sie erhielt die Ehrenprofessur der Universität Mozarteum bereits im Herbst 2022 in Abwesenheit.
„Durch einen Brief meiner Schwester habe ich von der Ehrenprofessur erfahren. Es war die letzte Nachricht, die ich erhalten habe. Danach kamen keine Briefe mehr. Dieser Brief hat mich mit meiner Familie, mit der Musik und mit den Menschen außerhalb der Gefängnismauern verbunden. Dieser Brief erinnerte mich daran, dass man an mich dachte und dass ich noch immer zu dieser Welt gehörte“, so Kalesnikava in ihrer Rede.
Die Verleihung fand im Rahmen der Eröffnung des neuen Studienjahres gemeinsam mit Studierenden, Lehrenden und Mitarbeiter*innen an der Universität Mozarteum statt.
Die 1982 in Minsk geborene belarussische Flötistin, Kulturmanagerin und Bürgerrechtlerin Maria Kalesnikava studierte Flöte und Dirigieren an der Staatlichen Musikakademie in Minsk sowie Alte und Zeitgenössische Musik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Sie war in verschiedenen Ensembles aktiv, unterrichtete in Belarus und Deutschland, arbeitete an zahlreichen transnationalen Musikprojekten und wurde 2019 künstlerische Leiterin des Kulturzentrums „OK-16“ in Minsk. Nach der Verhaftung des Oppositionspolitikers Wiktar Babaryka trat sie im Präsidentschaftswahlkampf 2020 in Belarus an dessen Stelle an. Nach der Wahl, die das autoritäre Regime Lukaschenkos bestätigte, die aber international und von großen Teilen der belarussischen Gesellschaft als Scheinwahl bewertet wird, setzte sich Kalesnikava als Leitfigur der belarussischen Opposition weiterhin unter anderem für freie Wahlen und Frauenrechte in Belarus ein. Im September 2020 wurde sie festgenommen, verschleppt und ein Jahr später zu 11 Jahren Strafkolonie verurteilt. Nach fast 5 Jahren in Haft wurde Kalesnikava gemeinsam mit weiteren 122 politischen Gefangenen im Dezember 2025 aus dem Gefängnis entlassen.