Ein Wohnzimmer für Salzburg*

16.06.2026
News
Constanze Wimmer im Gespräch mit Mavie Hörbiger, nachzuhören in unserer Mediathek.  | © Michael Klimt

Wie kann die Universität Mozarteum zu einem „Wohnzimmer für Salzburg“ werden? In ihrem ersten Beitrag für die Salzburger Uni-Nachrichten (SN, erschienen am 6. Juni 2026) reflektiert Rektorin Constanze Wimmer die Universität als offenen Ort der Begegnung, des Austauschs und der kulturellen Teilhabe. Warum Kunst mehr ist als Konsum, welche Rolle „Dritte Orte“ für unsere Demokratie spielen und wie das Mozarteum Menschen ins Gespräch bringen möchte, lesen Sie hier.

Ein Beitrag von Constanze Wimmer

*erschienen in den Uni-Nachrichten der Salzburger Nachrichten am 6. Juni 2026

Ein Wohnzimmer für Salzburg*

Von Constanze Wimmer

*erschienen in den Uni-Nachrichten der Salzburger Nachrichten am 6. Juni 2026

“In democratic societies, culture is a vast conversation between citizens about their experience, ideas, beliefs, identities and values,” sagt François Matarasso, ein begeisterter Kulturschaffender und Denker im Bereich Participatory Art. Gerade Kunstuniversitäten können viel zu diesem großen Gespräch über die Art, wie wir miteinander leben wollen, beitragen. Auf der Bühne, im Auditorium, im Foyer, im Hörsaal, im Atelier oder in der Community.

Kunst ist Kommunikation, manchmal jenseits der Sprache. Bürger:innen der Stadtgesellschaft öffneten bereits in vergangenen Jahrhunderten ihre Wohnzimmer und veranstalteten Salons, um Kunst der Zeit zu Gehör zu bringen, aber andererseits auch um die Möglichkeit zu geben, Gleichgesinnte zu treffen und sich über das Alltags- und das Weltgeschehen auszutauschen.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts veröffentlichte der US-amerikanische Soziologe Ray Oldenburg sein Buch „The Great Good Place“ und belebte damit eine Diskussion um die Notwendigkeit sogenannter Dritter Orte. Seiner Auffassung nach dient der Erste Ort dem Arbeits- und der Zweite Ort dem Familienleben. Um ein Dritter Ort zu werden, wo man sich in nachbarschaftlicher Gemeinschaft treffen kann und Teilhabe an Kultur und Diskussion möglich wird, bedarf es einiger wesentlicher Kategorien: Ein idealer Dritter Ort steht auf neutralem Boden, ist grundsätzlich für alle Bevölkerungsschichten offen, schwächt soziale Unterschiede ab, ermöglicht Konversation, ist einfach zu erreichen, verfügt über Stammgäste, stellt Ästhetik nicht über Funktion, schafft eine spielerische Stimmung, und dient als eine zweite Heimat.

Die Universität Mozarteum bietet ideale Voraussetzungen, um ein Dritter Ort für Salzburg, ein Wohnzimmer für Kulturinteressierte und Neugierige zu werden, die Kunst und künstlerische Forschung nicht einfach nur konsumieren wollen, sondern unsere vielen Veranstaltungen aus allen Bereichen zum Anlass nehmen möchten, vor dem Konzert, nach der Theateraufführung, in den Pausen eines Symposiums oder beim Galerienrundgang miteinander ins Gespräch zu kommen.

Gerade in unserer heutigen Zeit ist ein gemeinsamer Ort des Austauschs, in dem man sich ganz analog trifft, um zu reden, zu debattieren, Pläne zu schmieden, vielleicht auch zu streiten und sich auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen, für unsere demokratische Verfasstheit ungemein wertvoll und wesentlich.

Für unsere Studierenden bedeutet es die Möglichkeit, sich als „Artistic Citizen“ zu begreifen, als Künstler:in in der Gesellschaft, mit besonderen Fähigkeiten und Begabungen ausgestattet und gerade deshalb ganz besonders in der Lage, integrativ und verändernd wirksam zu sein. Am besten kann das funktionieren, wenn sich zwischen Publikum und Künstler:in eine intensive Beziehung aufbaut, die von der Kunsterfahrung ausgeht und von dort weg eine „vast conversation between citizens“ ermöglicht, von der François Matarasso so treffend spricht.

Die Universität Mozarteum lädt in diesem Sinn im kommenden Studienjahr zu zahlreichen Gesprächsformaten, Begegnungen und Diskussionen rund um unsere Veranstaltungen. Da bei uns fast jeden Tag mindestens ein öffentliches Event stattfindet – von ganz intim wie Klassenabend bis ganz groß wie Musiktheater – gibt es für jede:n Interessierte:n einen spannenden Anlass, unser Wohnzimmer zu betreten. Wir freuen uns auf einen regen Austausch mit unserem Stammpublikum und auf ganz viele neue Besucher:innen!