Magie des Entstehungsprozesses

31.05.2025
Interview
© Conny Zenk

Julia Maria Eckes, Anastasia Fedorenko und Anna-Maria Husca stehen kurz vor ihrem Masterabschluss Oper & Musiktheater an der Universität Mozarteum. Im Interview geben sie Einblicke in ihren Studienalltag und lassen uns am Probenprozess für die Oper „Medusa / Giuditta“ teilhaben.

Anna-Maria, aus welchem Grund hast du dich für das Masterstudium Oper & Musiktheater an der Universität Mozarteum entschieden?

Anna-Maria Husca: Nach dem Abschluss meines Bachelorstudiums in Irland nahm ich an der Sommerakademie der Universität Mozarteums teil. Während dieser Zeit verliebte ich mich Hals über Kopf in die Stadt und war zutiefst inspiriert von der künstlerischen Atmosphäre. Was mich am Masterstudium Oper & Musiktheater besonders beeindruckte, war der starke Fokus auf den Proben- und Aufführungsprozess, sehr ähnlich dem eines professionellen Opernbetriebs – eingebettet in den geschützten Rahmen der Universität. Das Curriculum ermöglicht es, sich mit genügend Zeit und gezielter Begleitung intensiv mit Rollen auseinanderzusetzen, was perfekt mit meinem Wunsch übereinstimmte, praktische Bühnenerfahrung in einem lernfördernden Umfeld zu sammeln. 

Ihr steht alle drei unmittelbar vor euren Masterabschlüssen. Julia, wie geht es dir mit der Aussicht auf den Start ins Berufsleben? Du warst bereits in Projekten außerhalb der Uni tätig und konntest erste Erfahrungen auf verschiedenen Bühnen sammeln …

Julia Maria Eckes: Meine Zeit am Mozarteum hat mich wirklich bestmöglich auf das Berufsleben vorbereitet. Durch die Zusammenarbeit und den regelmäßigen Austausch mit meinen Dozent:innen und Professor:innen hat sich das Bild davon, was in den kommenden Jahren auf mich zukommt, geschärft. Dennoch waren mir schon vor Beginn meines Gesangsstudiums die Herausforderungen und Hürden sehr bewusst und manche Sichtweise hat sich seitdem verändert: Bis vor einem Jahr konnte ich mir noch keine Zukunft als Chorsängerin vorstellen. Durch die wiederholte Mitwirkung in Chören hat sich mein Blick darauf gewandelt: Ich habe durch viele tolle Kolleg:innen, die bereits jahrelang als freiberufliche Sänger:innen arbeiten, gelernt, dass es unglaublich viele Möglichkeiten gibt, als (Opern-)Sängerin den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Mit „Medusa / Giuditta“  steht im Juni als nächste Opernproduktion der Klasse von Kai Röhrig und Florentine Klepper ein Werk auf dem Programm, in dem mit Alessandro Scarlattis „Giuditta“ Alte Musik mit der zeitgenössischen Komposition „Medusa“ von Yann Robin in Verbindung gesetzt wird. Bereits vor zwei Jahren wart ihr bei „Elissa / Dido“ Teil einer Produktion, in der das Spannungsfeld zwischen Barock und zeitgenössischer Musik ausgelotet wurde. Mit welchen besonderen Herausforderungen seht ihr euch konfrontiert im Gegensatz zur Einstudierung von sogenanntem „Standardrepertoire“?

Anastasia Fedorenko: Tatsächlich ist es eine echte Herausforderung, zeitgleich sowohl zeitgenössische als auch barocke Musik zu singen – das erfordert viel Einsatz und Hingabe. Meine Erfahrung in der Produktion „Elissa / Dido“, in der ich die Rolle der Belinda gesungen habe, hat den Blick auf mein Repertoire und meine stimmlichen Möglichkeiten enorm erweitert. Ich erinnere mich noch gut daran, wie schwierig und unklar sich Belindas Epilog zunächst anfühlte – und wie fließend und natürlich ich ihn mit der Zeit singen konnte. „Medusa / Giuditta“ stellt für mich eine ganz neue Herausforderung dar, denn die Partien der Giuditta und des Angelus Novus sind völlig unterschiedlich – sowohl in ihrer Tessitur als auch im musikalischen Material. Das erfordert ein hohes Maß an Konzentration, kontinuierliches Üben und eine feine Ausarbeitung der Gesangstechnik. Es ist eine sehr wertvolle Erfahrung für mich, denn die Musik ist wunderschön, die Geschichte kraftvoll und berührend.

Ihr seid quasi direkte Augenzeuginnen der Entstehung von „Medusa“. Yann Robins Komposition ist nach wie vor (zum Zeitpunkt unseres Interviews Mitte Mai, Anm.) „in progress“. Ein spannender oder doch auch schwieriger Umstand?

Anastasia Fedorenko: Es ist eine spannende und faszinierende Erfahrung – und wenn ich ehrlich bin, ist es manchmal auch ein wenig nervenaufreibend. Ich genieße es sehr, den Entstehungsprozess von „Medusa“ mitzuerleben. Die Musik von Yann Robin ist für mich völlig neu und ich finde sie sehr inspirierend. Sie bildet einen starken Kontrast und ist zugleich eine wunderbare Ergänzung zu Scarlattis „Giuditta“.

Rückwirkend betrachtet: Was hat euer Studium hier in Salzburg „besonders“ gemacht? Wurden eure Erwartungen, mit denen ihr ans Haus gekommen seid, erfüllt?

Julia Maria Eckes: Die Menschen haben Salzburg für mich besonders gemacht. Anfangs fiel mir der Wechsel von meinem Studienort Rostock nach Salzburg nicht leicht. Ich hatte dort die letzten fünf Jahre verbracht, war sehr gut vernetzt und fühlte mich unglaublich wohl. Mit dem Umzug nach Salzburg, dem Beginn meines Masterstudiums und dem Beginn eines Studiums am renommierten Mozarteum, habe ich für mich den Schalter auf „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“ umgelegt. Jetzt, am Ende meines Masterstudiums kann ich sagen, dass ich tolle inspirierende Menschen kennenlernen durfte, sowohl Lehrende, mit denen ich einen engen zwischenmenschlichen Kontakt pflege, als auch meine Kommiliton:innen, mit denen ich teils neue Freundschaften fürs Leben geschlossen habe. Ich freue mich, eine so bezaubernde Stadt wie Salzburg mein Zuhause nennen zu dürfen.

Anna-Maria Husca: Rückblickend bin ich zutiefst dankbar für meine Studienzeit an der Universität Mozarteum. Meine Erfahrungen hier haben meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern in vielerlei Hinsicht sogar übertroffen. Ich durfte mit außergewöhnlichen Lehrenden arbeiten und enge, bereichernde Freundschaften mit Kommiliton:innen knüpfen – das hat meine persönliche und künstlerische Entwicklung maßgeblich geprägt. Einen besonderen Stellenwert hat für mich Salzburg als Stadt selbst: Als historisches und kulturelles Zentrum bietet Salzburg ein einzigartiges Umfeld für künstlerisches Wachstum. Die Salzburger Festspiele im Sommer und die Nähe zu bedeutenden Musikmetropolen wie München und Wien schaffen ein inspirierendes und gut vernetztes Umfeld für junge Musiker:innen. Während meines Studiums habe ich mehrere bedeutende Opernrollen auf der Bühne verkörpert, darunter die Governess in Brittens „The Turn of the Screw“, Dido in Fourès/Purcells „Elissa / Dido“, Gretel in Humperdincks „Hänsel und Gretel“ und Alice Ford in Verdis „Falstaff“. Neben der akademischen Ausbildung erhielten wir auch gezielte Vorbereitung auf Vorsingen mit renommierten Persönlichkeiten aus der Opernwelt – eine Erfahrung, die wertvolle Einblicke in das professionelle Umfeld ermöglichte. Ich habe zahlreiche Fähigkeiten erworben, Erfahrungen und Kontakte gesammelt, die mir als solide Basis für meine weitere Laufbahn dienen.


(Ersterschienen in den Uni-Nachrichten / Salzburger Nachrichten am 31. Mai 2025)

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