In memoriam George Kern

23.02.2026
In memoriam

Wir erhielten die traurige Nachricht vom Ableben unseres ehemaligen Universitätsprofessors für Klavier und Klavierkammermusik George Kern. Der amerikanische Pianist kam 1975 an die „Hochschule Mozarteum“ und war bis 2018 an der Universität Mozarteum als Pädagoge tätig.

28.5.1948–21.12.2025

George Kern studierte an der Juilliard School bei Rosina Lhevinne und bei Kurt Neumüller (Konzertfachdiplom) sowie Liedbegleitung bei Paul von Schilhawsky an der damaligen Hochschule Mozarteum. Er erhielt die Bernhard-Paumgartner-Medaille der Internationalen Stiftung Mozarteum. Zudem war er Klassenpianist für Sandor Vegh und Korrepetitor bei der Internationalen Sommerakademie Mozarteum. Konzerte als Solist, Kammermusiker und Liedbegleiter führten ihn nach Asien, Nord- und Mittelamerika und durch Europa. In Österreich gab er Konzerte im Musikverein Wien (Brahmssaal), im Brucknerhaus Linz, im Bösendorfersaal Wien und  in der Stiftung Mozarteum.

Er trat bei mehreren Internationalen Festivals in Paris, Brüssel, Prades, Lugano auf und war Pianist im Trio Amadé. Er wirkte in Debussy Ur-Aufführungen, in Zusammenarbeit mit Henle Verlag München, mit sowie mit den Erben des Komponisten, in Paris (Radio France) Brüssel (RTBF) und Wien.

Als Pädagoge gab er Gastkurse in Japan, Korea und Frankreich und hielt Vorträge an mehreren Musikuniversitäten in Amerika (Boston University, University of Illinois, Indiana University, University of Miami, Rutgers University, San Francisco Conservatory). Er war Visiting Guest Professor an der Toho Schule in Tokyo.

Zudem war er langjähriger künstlerischer Berater der Komischen Kammeroper München, Mitbegründer des Internationalen Solistenkurses mit der Mährischer Philharmonie und Jurymitglied bei internationalen Wettbewerben in Frankreich, Italien und Zypern.

Die Universität Mozarteum trauert um einen außergewöhnlichen Künstler und Kollegen und wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

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Als ich in die Klasse von Prof. George Kern kam, war ich überrascht und berührt zugleich von den Freiheiten, die er uns Studierenden gewährte. „Überzeug mich“ war seine Antwort, wenn ich, ganz gewohnheitsmäßig, nach einer konkreten Anweisung fragte. 
Gemeinsam mit der befreiten Technik und dem farbenreichen Klang der russischen Klavierschule, die er noch von Rosina Lhevinne übernommen hatte, entstand ein Raum, in dem jede und jeder als Musiker*in authentisch bleiben konnte. Der freie Geist der Studierenden wurde nie eingeengt, sondern ermutigt. In Klassenkonzerten und Aufnahmen war diese künstlerische Eigenständigkeit deutlich hör- und spürbar. 

Dank seiner Gelassenheit und beständigen Unterstützung durfte auch ich meinen Interessen und inneren Impulsen folgen – und entdeckte dabei meinen Traumberuf als Gesangsklavierbegleiterin. Selbst in seinem letzten Jahr, während meines Postgraduate-Studiums, hat er mir auf diesem Gebiet noch Wesentliches mit auf den Weg gegeben. 

Seit nunmehr zwölf Jahren gehöre ich als Pianistin, Liedbegleiterin und Korrepetitorin der Gesangsabteilung an der Universität Mozarteum Salzburg an. Und immer wieder schlage ich das Buch von Paul von Schilhawsky, bei dem der junge George am Mozarteum studierte, auf, um Antworten auf meine Fragen zu finden. Was wir von unseren Lehrenden empfangen haben, geben wir an unsere Studierenden weiter. Ein Lauf der Welt.

In herzlicher Verbundenheit
Almira Kreimel
(ehemalige Studierende bei George Kern)

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George Kern ist im Dezember vergangenen Jahres von uns gegangen und ich bin der Bitte, in ein paar Zeilen mein Verhältnis zu ihm zu beschreiben, gerne nachgekommen. Wir sind zum einen der gleiche Jahrgang 1948, zum anderen kennen wir uns seit der gemeinsamen Studienzeit am Mozarteum. Hier haben wir auch im Rahmen eines Hochschulkonzertes das Klavierkonzert von Robert Schumann mit dem Hochschulorchester aufgeführt. Er war der Solist, ich der Dirigent.

Es ist bis heute eine sehr schöne Erinnerung für mich, und unsere Zusammenarbeit war schon damals von gegenseitigem Respekt geprägt. Überhaupt war George Kern ein Pianist auf höchstem künstlerischen Niveau. Ich erinnere mich noch lebhaft an ein Präludium und Fuge in cis-moll (Band 2) von J.S. Bach mit einer geradezu wahnwitzig schnellen Fuge. Aber immer, wenn ich dieses Stück höre, denke ich mir, „so wie George das damals spielte, so muss es sein“. Es folgte ein fulminanter „Gaspard“ von M. Ravel, in dem er sich dann dem Publikum als wirklicher Virtuose vorstellte.

Unsere Wege trennten sich dann für ein paar Jahre, um uns dann als pädagogische Kollegen wieder zusammenzuführen. Auch hier waren seine Kommentare bei Prüfungen immer geprägt von einem hohen künstlerischen Anspruch, der nie in Agression umkippte, auch wenn man einmal anderer Meinung war. Eine leider viel zu seltene und für das ohnehin angespannte Klima einer Prüfung sehr wohltuende Eigenschaft. Alles in allem ein Kollege, Freund und Künstler, dessen Tod jeden, der ihn näher kannte mit Trauer erfüllt.

Klaus Kaufmann
(Univ.-Prof. für Klavier, ehem. Abeilungsleiter,
Studiendekan und Senatsmitglied)