Neues Musik- und Kunstvermittlungsprogramm für Schulen

01.10.2022
News
Moderatorin hält Mikro für einen Schlagzeuger, der zum Publikum spricht

Die Moz-Art-Zone präsentiert sich seit dem Wintersemester 2022/23 als erweitertes Musik- und Kunstvermittlungsprogramm der Universität Mozarteum mit einem interdisziplinären Angebot, das Begeisterung und Interesse bei Schüler*innen wecken will und hierfür die Türen der Universität weit öffnet.

Seit 2019 werden in der Moz-Art-Zone unterschiedliche Formate speziell für Schulen und Schulklassen angeboten, konzipiert als Tür-Öffner für ein junges Publikum in Ergänzung zum umfangreichen Veranstaltungskalender der Universität. Zu Beginn als Musikvermittlung angelegt, spannt das Konzept für das kommende Semester einen interdisziplinären Bogen, der weit über den gemeinsamen Veranstaltungsbesuch hinausgeht. „Wir starteten 2019 mit einem reinen Musikvermittlungsvorhaben und öffneten ausgewählte Opern- und Konzertproduktionen für Schulklassen. Dann kam Corona. Dennoch sind uns punktuell wirklich große Veranstaltungen für Schulen wie z.B. die ‚Carmina Burana‘ in der SZENE Salzburg oder das große Chorkonzert ‚Paulus‘ im Salzburger Dom gelungen, die ausgebucht waren. Heuer vergrößern wir die Palette an Inhalten und Themen, weil wir natürlich auch in anderen Kunstsparten oder in der kunstuniversitären Forschung großes Potenzial sehen“, erzählt Andreas Bernhofer.

Die Integration der Moz-Art-Zone im Department für Musikpädagogik ist eine „Win-Win-Situation in alle Richtungen“, wie Andreas Bernhofer, stellvertretender Leiter des Departments, feststellt. „Unsere Studierenden profitieren dadurch bereits im Rahmen ihrer Ausbildung von den Möglichkeiten, in der außerschulischen Vermittlung disziplinübergreifend Erfahrungen zu sammeln. Die Formate ließen wir ganz offen, die Lehrenden und Studierenden wählten für ihre Angebote die Zielgruppen, das Thema, den Umfang und die Form passend zu den Inhalten. Unser großer Vorteil als Kunstuniversität: Junge Leute können von jungen Leuten lernen.“ Zwölf maßgeschneiderte Formate aus den Bereichen Musik, Oper- uns Musiktheater, Bildende Kunst, Bühnenbild und Applied Theatre stehen im Wintersemester zur Auswahl, auch auf optimale Rahmenbedingungen für die Organisation durch die Lehrenden der Schulen wurde geachtet.

Die Inhalte wiederum widmen sich in diversen Auseinandersetzungen aktuellen Aspekten aller Kunstformen sowie gesellschaftsrelevanten Themen. Die partizipative Theaterinstallation „Pleasure Space“ etwa setzt sich mit zeitgemäßer sexueller Aufklärung auf Augenhöhe auseinander und fokussiert besonders Themen wie Vielfalt, Scham, Lust und Selbstbestimmung. Im Zuge der Neuinszenierung von Benjamin Brittens Kammeroper „Turn of the Screw“ nach einer Novelle von Henry James bietet die Moz-Art-Zone Gelegenheit zum Generalprobenbesuch sowie zur Besichtigung und Begehung des Bühnenbildes mit einem begleitenden Workshop über Raumwahrnehmung, Bewegung im theatralen Raum und Möglichkeiten wirkungsvoller Gestaltung. Der Besuch der Ausstellung „Durch das Raue zu den Sternen“ im Kunstraum Fünfzigzwanzig möchte Jugendlichen zeigen, wie mit Mitteln der Ironie und des Humors gegenwärtige Bedingungen und Normen der Gegenwartskunst in den Blick genommen werden können. Im Chorbereich werden in enger Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Jörn Andresen, der immer wieder für Schulklassen moderiert, sowohl Angebote zum gemeinsamen Chorsingen als auch Werkseinführungen geboten. Im Haus für Mozart wiederum steht bereits im Oktober der Besuch des großen Sinfonieorchesterkonzerts der Universität Mozarteum im Haus für Mozart unter der Leitung des Dirigenten Ion Marin auf dem Programm. Jugendliche erhalten vor dem Konzertbesuch die Möglichkeit, die Ensemblemitglieder des Sinfonieorchesters der Universität Mozarteum persönlich kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Darüber hinaus bietet die Moz-Art-Zone in diesem Semester Galeriebesuche, Workshops, Gespräche und Begegnungen mit Künstler*innen sowie moderierte Generalproben. Am Puls der Zeit zu sein ist für Andreas Bernhofer eine Maxime in der Musikpädagogik: „Vermittlung boomt! Die Salzburger Festspiele oder die Stiftung Mozarteum haben große Schienen für junge Menschen, fast alle Orchester kümmern sich darum. Wir möchten ein gutes ‚Rundum-Paket‘ bieten, in dem wir durchaus auch im Sinne von Audience Development unser Publikum der Zukunft gewinnen.“

Lehrende können ihre Schulklassen direkt bei Andreas Bernhofer für einzelne Angebote anmelden, für die meisten werden bereits vorab Unterrichtsmaterialien für die Vorbereitung in den Schulen zur Verfügung gestellt. Andreas Bernhofers Anspruch ist dabei stets, Interesse zu wecken. „Mit ungewöhnlichen, innovativen Herangehensweisen wird es auch für junges Publikum spannend. Es gibt so viele Veranstaltungen bei uns am Haus, aber vieles bleibt für junge Menschen im Verborgenen. Dieses können wir mit guter, niederschwelliger Vermittlung öffnen. Für mich ist unser Ziel auch dann erreicht, wenn eine persönliche Verbindung zwischen den Schüler*innen und Kunst entstanden ist. Unser Publikum soll spüren, dass Kunst auch etwas mit ihnen zu tun hat, und dass Kunst berührt. Die besten Momente entstehen dabei durch Überraschungen, wenn in einem Konzert, im Theater, in einer Ausstellung, in einem Gespräch plötzlich Lernen stattfindet. Auch Irritationen sind willkommen … Alles, was lediglich den Erwartungen entspricht, lässt weder Neugier noch Spannung entstehen.“

 

(Ersterschienen in den Uni-Nachrichten / Salzburger Nachrichten am 1. Oktober 2022)

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