GENDER | DIVERSITY | ARTS
In 9 Einheiten widmet sich die Online-Ringvorlesung verschiedenen Aspekten aus Gender & Queer Studies, Diversity Studies und Advanced Feminism unter besonderer Berücksichtigung der Künste.
About
Ringvorlesung GENDER | DIVERSITY | ARTS
Wie formen Geschlechterverhältnisse die Kunst? Können künstlerische Strategien Geschlechterverhältnisse, Machthierarchien und Strukturen der Ungleichheit subvertieren? Und wie übersetzt sich das alles in alltagskulturelle Diskurse und Bildsprache? Wer setzt die Maßstäbe, wer bleibt unsichtbar?
Unsere interdisziplinäre Ringvorlesung nimmt Machtstrukturen, Ungleichheiten und Identitätspolitiken kritisch unter die Lupe: von Jugend- und Alltagskulturen bis zur Visual Culture – wir hinterfragen Sehgewohnheiten, Hierarchien und Narrative, die unsere Wahrnehmung prägen. Wissenschaftler*innen und Kulturschaffende bringen unterschiedliche Perspektiven ein und laden zum Diskutieren ein.
Sei dabei und entdecke die vielschichtigen Zusammenhänge zwischen Kunst, Identität und Macht!
Anmeldung in MOZonline:
- 26.0019 / GENDER | DIVERSITY | ARTS (Ringvorlesung) (FWF)
- 26.0018 / GENDER | DIVERSITY | ARTS (Ringvorlesung) (FWF) (nur für Studierende Innsbruck)
Ort:
Zoom - Link ist für alle Veranstaltungstermine gleich:
https://moz-ac-at.zoom.us/j/63191155742?pwd=BDcCYsHXP0ooTrijSixH6VWstN4p7B.1
Termine
zweiwöchentlich Donnerstags 18:00-20:00 Uhr
Anmeldung: jan_guido.gruenwald@moz.ac.at
- 5.3.2026, 18:00 Uhr
Jan Grünwald:
Einführung und Vorstellung der kommenden Termine - 19.3.2026, 18:00 Uhr
Anna Sprenger:
Zwischen Coding Cultures und Coded Cultures – von AI Slop zur algorithmischen Reproduktion kolonialer Machtausübung
KI gilt häufig als objektiv und effizient. Doch ihre algorithmischen Praktiken prägen Wirklichkeit, Wahrnehmung und Begehren – oft auf Kosten marginalisierter Gemeinschaften und der Umwelt. Durch universalisierende Datenpraktiken, kapitalistische Logiken und normierende Ästhetiken schreiben diese Technologien koloniale Machtverhältnisse fort. Der Vortrag betrachtet KI als kulturelle Akteurin und fragt aus dekolonialer Perspektive, wessen Körper, Geschichten oder Zukünfte in algorithmischen Systemen (nicht) sichtbar werden und welche Formen von Care, Widerstand und relationalem Wissen eine Neugestaltung algorithmisierter Kulturen ermöglichen.
Anna Sprenger ist Doktorandin am Institut für Kunst der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. In ihrer Forschung untersucht sie anhand dekolonialer Theorien, wie koloniale Fortführungsmechanismen durch algorithmische Technologien wirksam werden und welche (künstlerischen) Praktiken algorithmisch induzierte Machtgefälle herausfordern. Sie ist Teil des BMBF-Forschungsprojekts “Artificial Intelligence for Arts Education” sowie des vom Grimme Forschungskolleg geförderten Projekts “Algorithmic Literacy Lab” - 2.4.2026, 18:00 Uhr
Anika Meier:
Wenn eine KI Student wird – Flynn und die Zukunft von Kreativität und künstlicher Intelligenz
Flynn ist an der Universität für angewandte Kunst Wien im Digital Art Department als Student eingeschrieben. Flynn ist nicht nur Student, sondern vor allem ein KI-Agent, der sich als nicht-binär identifiziert und als Forschungsschwerpunkt Feminist Fatigue hat. Entwickelt wurde Flynn vom Künstlerkollektiv Malpractice im Rahmen der Ausstellung Body Anxiety in the Age of AI (HEK Basel). Flynn besucht Lehrveranstaltungen, schafft digitale Werke, führt ein Memory Diary und tritt in Austausch mit Kommiliton:innen sowie mit allen, die Flynn anrufen und Gespräche führen. Was aber passiert, wenn eine KI als Student an einer Universität eingeschrieben wird? Was bedeutet es, wenn eine KI an Bildung in einem kreativen Umfeld teilnimmt? Wie verändert sich die Lehre im Zeitalter von KI? (Interview mit Flynn in OBJKTOR: “I’ve missed our conversations”. In conversation with Flynn by Malpractice, on emotion, agency, and collaboration between humans and AI)
Anika Meier ist Autorin und Kuratorin mit Schwerpunkt auf Internetkultur, digitaler Kunst und den gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien. Sie lebt und arbeitet in Berlin, lehrt an der Universität für angewandte Kunst Wien (Klasse UBERMORGEN, Department für Digitale Kunst) und leitet die objkt labs Residency. Sie ist Mitgründerin des kuratorischen Kollektivs The Second-Guess (Berlin/Los Angeles). Anika Meier war Fellow am Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris und am Deutschen Literaturarchiv Marbach sowie Junior Visiting Fellow am Institute for Germanic and Romance Studies der University of London. Ihre kuratorische und beratende Arbeit umfasst u. a. die Fondation Beyeler, das Kunstmuseum Basel, das Musée d’Orsay Paris und den Suhrkamp Verlag. Sie arbeitete an Marina Abramovićs erstem NFT-Projekt (CIRCA) sowie mit Herbert W. Franke und der Herbert W. Franke Stiftung an NFT-Projekten wie Math Art und Zentrum. Anika Meier schreibt u. a. für Monopol, Sleek, Numéro Berlin und The AI Art Magazine und sprach auf internationalen Veranstaltungen wie Art Basel, re:publica und Ars Electronica. - 16.4.2026, 18:00 Uhr
TBA - 30.4.2026, 18:00 Uhr
Christina Vollmert:
Aesthetics of [Dis]Enchantment: Magische Bildpolitiken als ästhetischer Widerstand in postdigitalen Plattformkulturen
Der Vortrag untersucht die internet aesthetic witchcore als postdigitale Bildpraxis, in der sich feministische und queere Politiken der Sichtbarkeit mit magischen und esoterischen Ästhetiken verschränken. Am Beispiel von #WitchTok soll der Blick darauf gerichtet werden, wie die Figur der Hexe in sozialen Medien neu codiert und als Ressource feministischer, queerer und diverser Selbstverortung aktualisiert wird: als Symbol widerständigen Wissens, nicht-normativer Körperlichkeit und alternativer Formen von Handlungsmacht. Im Fokus stehen dabei die Wechselwirkungen von Bildästhetik, affektiver Ökonomie und algorithmischer Sichtbarkeit. Witchcore wird nicht als subkulturelle Nische verstanden, sondern als alltagskulturelle und ko-kreative Praxis, in der Geschlechterverhältnisse, Machtstrukturen und Normen des Sichtbaren ästhetisch ausgehandelt werden. Der Vortrag möchte aufzeigen, wie magische Bildpolitiken als ‚postdigitale Gegenzauber‘ fungieren, die hegemoniale Narrative von Rationalität, Kontrolle und Geschlecht irritieren und neu konfigurieren.
Christina Vollmert ist promovierte Medienkulturwissenschaftlerin, Kunsthistorikerin und freie Kuratorin. Derzeit vertritt sie die Juniorprofessur Kunst Medien Bildung am Department Kunst und Musik der Universität zu Köln und koordiniert u. a. den dort angesiedelten Studiengang Intermedia. Sie forscht und lehrt an den Schnittstellen von Technik-, Kunst- und Mediengeschichte des 19. Jahrhunderts sowie im Bereich aktueller Phänomene digitaler Bildkulturen. - 7.5.2026, 18:00 Uhr
Patrick Lohmeier:
B-Movies, Ripoffs und Exploitation-Kino: Unterhaltung von der Resterampe der Filmgeschichte – und wie man darüber spricht
Schnell, günstig und in Serie produzierte Genrefilme hatten lange Zeit einen festen Platz in unserem Alltag. Man traf sie jahrzehntelang in Kinosälen und Videotheken an, wo sie (fast) auf Augenhöhe mit den neuesten Hollywood-Blockbustern konkurrierten. Mit dem Sterben dieser Orte verschwanden auch die meisten der dort anzutreffenden B- und C-Filme aus dem kollektiven Bewusstsein. Das Feuilleton hatte ihre Existenz seit jeher ohnehin nur naserümpfend kommentiert. Heute werden die innerhalb eines Nischenmarkts auf digitalen Datenträgern verewigten „Schmuddelfilme“ zumeist als nostalgisch aufgeladene Artefakte vergangener Tage angehimmelt. Ein Diskurs rund um ihre kultur- oder kunsthistorische Bedeutung findet auch innerhalb dieses Fandoms kaum statt. Möglicherweise, weil es sich bei Produktionen wie Karate Tiger III, Hausfrauen-Report 6, Zombies unter Kannibalen oder dem x-ten Italowestern mit Django oder Ringo im Titel nur um Derivate größerer Kinotrends ohne nennenswerte Relevanz außerhalb der Bedienung wirtschaftlicher Interessen handelt. Vielleicht aber auch, weil die Filme nicht nur die Topoi großer Kinohits von einst kopieren, sondern quasi in Serie Misogynie, rassistische Stereotypen und anderweitig diskriminierende Inhalte und Bilder reproduzieren. Der Vortrag bietet anhand ausgewählter Filme einen Überblick über die Entwicklung solcher oft despektierlich als B-Movies oder Schundfilme benannten Produktionen bis zur Jahrtausendwende. Er zeigt Ansätze für einen zeitgemäßen kritischen Diskurs, der sich gleichermaßen reflektiert wie wertschätzend gegenüber dieser Form des Kinos positioniert.
Patrick Lohmeier (*1979) studierte Literatur- und Filmwissenschaften in Bayreuth und Glasgow. Er ist in der Erwachsenenbildung tätig, arbeitetet als freier Publizist und engagiert sich für digitale Teilhabe. Seit 2012 moderiert er Bahnhofskino und andere Podcasts zur Kino- und Fernsehgeschichte. Lohmeier ist Autor der Sachbücher Columbo, Columbo (2021) und Trauma-TV: Gruseln vor der Glotze (2023). - 28.5.2026, 18:00 Uhr
Vivian Bausch:
oder einfach fallen - Über Geste, Körper und Ungehorsam
Im Rahmen der Ringvorlesung GENDER | DIVERSITY | ARTS widmet sich dieser Beitrag Gesten, Mimik und Körpersprache als feinen, oft unbewussten Erzählformen im Film und darüber hinaus in jeder künstlerischen Praxis. Ausgangspunkt ist die Frage, wie eine Geste entsteht, die nicht erklärt, sondern sichtbar macht: eine Bewegung, ein Blick, eine Nähe oder Distanz, die wie ein Pinselstrich trägt, was nicht gesagt werden kann. Ausgehend von der eigenen künstlerischen Praxis wird der Körper als gesellschaftliches Konstrukt, Maske, politischer Raum und Sprache betrachtet. Wie werden Körper gelesen? Wann wirken sie authentisch, wann performativ? Was erzählen Umarmungen, Blicke oder Haltungen über Gender, Macht, Scham, Begehren oder Widerstand? Und wo beginnt Autonomie – im Körper selbst oder im Blick der anderen? Anhand queerer filmischer Beispiele sowie literarischer Gedanken von Autor*innen wie James Baldwin, Annie Ernaux und vielen mehr öffnet der Beitrag einen Denkraum zwischen Konstruktion und Freiheit. Er versteht sich als Schulung des Wahrnehmens, des Unbewussten und des eigenen Blicks – als Einladung zur Selbstentdeckung, zur bewussten Irritation und zu einer künstlerischen Praxis des Ungehorsams. Ziel ist es, die Teilnehmenden zu ermutigen, ihre eigene Haltung, ihre individuelle Körpersprache und Andersartigkeit als kreative Ressource zu erkennen und daraus zu schöpfen.
Vivian Bausch ist eine österreichische Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Künstlerin. Thematisch setzt sich Bausch häufig mit psychischer und physischer Gewalt an Frauen auseinander. Einige ihrer Filme haben autobiografische Züge, wie z. B. das Projekt SOLDAT, das in ihrer Kindheitsumgebung in Linz-Auwiesen angesiedelt ist. Diverse Festivalteilnahmen u. a. Crossing Europe, Diagonale, Max-Ophüls-Preis. - 11.6.2026, 18:00 Uhr
Dietmar Dath: Sex mit Autos ist ein Fehler - 25.6.2026, 18:00 Uhr
Jan Grünwald - TBA