Tradition und Transformation

Mi. 10.12.2025
Konzert
Eintritt frei!
Tradition und Transformation
Mi. 10.12.2025
Das Orchesterprojekt 25 (Ltg.: Wolfgang Danzmayr & Alexandra Helldorff), Henrik Raschauer (Klavier) und Philipp Tutzer (Fagott) interpretieren Orchesterwerke von Sophie-Carmen Eckhardt-Gramatté, Dinu Lipatti, Urban Östlund und Grażyna Bacewicz.
Das Programm dieses Konzerts spannt einen Bogen von neoklassischer Eleganz über ausdruckstiefe Innenschau bis zu den klanglichen Verwandlungsprinzipien der Gegenwart und zeigt, wie Komponist*innen des 20. und 21. Jahrhunderts Traditionen aufnehmen, neu deuten und weiterführen.

Der rumänische Pianist und Komponist Dinu Lipatti (1917–1950), dessen pianistische Karriere sein kompositorisches Schaffen lange überschattete, zeigt in seinem Concertino im klassischen Stil op. 3 für Klavier und kleines Orchester (1936) eine deutliche Wandlung seiner musikalischen Sprache gegenüber seinen frühen Werken. Entstanden während der Studienzeit bei seiner „mère spirituelle“ Nadia Boulanger, verschmilzt das pianistisch brillante Werk in vier kontrastreichen Sätzen Stilmittel der Vergangenheit mit zeitgenössischen Klängen zu einem frischen persönlichen neoklassizistischen Idiom.

Der schwedische Komponist Urban Östlund (*1953) erweitert mit der Uraufführung seiner Auftragskomposition Danse orange (2025) das Programm um eine zeitgenössische Perspektive. Inspiriert von der Symbolkraft der Farbe Orange, gestaltet er ein tanzartiges Stück zwischen hellen und dunklen Klang- und Emotionswelten. Die musikalischen Elemente entstehen und verwandeln sich nach den genetischen Mutationsprinzipien – Austausch, Abspaltung, Einfügung und Umkehrung – und spiegeln sich spielerisch bereits im Werktitel wider, der aus „Danse“ das Wort „Orange“ mutieren lässt.

Die russisch-deutsch-kanadische Komponistin, Klavier- und Violinvirtuosin Sophie-Carmen Eckhardt-Gramatté (1899–1974) verschmilzt in ihrem Konzert für Fagott und kleines Orchester E 124 (1950) in mitreißender Originalität klassische Solokonzert-Tradition, neoklassische Klarheit und moderne Harmonien mit romantischer Ausdruckstiefe. Dieses Werk – eines der wenigen Solokonzerte für Fagott aus der Feder einer Komponistin – fordert hohe Virtuosität im Solopart und zeigt eindrucksvoll Eckhardt-Gramattés Fähigkeit, traditionelle Formen eigenwillig weiterzudenken.

In neoklassizistischer Tradition verbindet die polnische Komponistin Grażyna Bacewicz (1909–1969) in ihrem dicht gearbeiteten Divertimento für Streichorchester (1965) klassische Formen mit neuen Klangfarben und setzt das symbolisch aufgeladene Tritonus-Intervall als zentrales Gestaltungselement ironisch ein. Der Heiterkeit bedeutende Titel spiegelt sich in den äußeren Abschnitten voller Witz und lebendiger Frische, die ein elegisches Adagio als wehmutsvollen Kontrast einrahmen.

Programm:

Dinu Lipatti (1917–1950):
Concertino im klassischen Stil op. 3 für Klavier und kleines Orchester (1936)
- Allegro maestoso
- Adagio molto
- Allegretto
- Allegro molto
Henrik Raschauer, Klavier

Urban Östlund (*1953):
Danse orange (2025, UA)

- - - Pause - - -

Sophie-Carmen Eckhardt-Gramatté:
Konzert für Fagott und kleines Orchester E 124 (1950)
- Allegro risoluto
- Ausdrucksvoll, ohne zu schleppen, verträumt, improvisierend
- Allegro risoluto
Philipp Tutzer, Fagott

Grażyna Bacewicz (1909–1969):
Divertimento für Streichorchester (1965)
- Allegro / Adagio / Giocoso

Eine Veranstaltung des Instituts für Gleichstellung und Gender Studies in Kooperation mit dem Verein Orchesterprojekt und der IGNM – Internationale Gesellschaft für Neue Musik