Herausgabe unveröffentlichter Lieder von Ilse Weber

16.10.2026
Forschungsprojekt
© Kingston Ostrava Group & Archiv des Jüdischen Museums Prag, Nachlass von Hanuš Weber

Das Forschungsvorhaben befasst sich mit der quellenkritischen Erschließung und wissenschaftliche Neuedition des musikalischen Werks der deutsch-tschechischen jüdischen Dichterin und Komponistin Ilse Weber (1903–1944). Ausgangspunkt bilden Archivrecherchen im Rahmen meiner Masterarbeit, bei denen drei bislang unveröffentlichte und Weber zugeschriebene Lieder identifiziert wurden.

Der Forschungsauftrag umfasst die kritische Revision der 2008 herausgegebenen Edition der Theresienstadt-Lieder sowie die editorische Aufbereitung der neu identifizierten Werke. Im Zentrum stehen die Analyse der Autographe, die Überprüfung bisheriger editorischer Entscheidungen sowie die historische Kontextualisierung des Quellenmaterials. Ergänzend werden weitere Archivrecherchen hinsichtlich möglicher Werkergänzungen vorgenommen.

Das Vorhaben verbindet musikwissenschaftliche, historische und gendertheoretische Perspektiven und verortet Webers künstlerische Praxis im Spannungsfeld von Trost, Widerstand und weiblicher Agency unter nationalsozialistischer Verfolgung. Ziel ist die Erweiterung der wissenschaftlichen Quellenbasis sowie eine differenzierte Neubewertung ihres Schaffens im Kontext musikalischer Widerstandspraktiken und erinnerungskultureller Diskurse.

Julia Vogel studierte Klarinette und Bassklarinette an der Universität Mozarteum Salzburg und schloss beide Studiengänge mit dem Master ab. Parallel absolvierte sie ein Bachelorstudium der Politikwissenschaft an der FernUniversität in Hagen. Seit Oktober 2026 promoviert sie an der Universität Mozarteum Salzburg bei Univ.-Prof.in Dr.in Yvonne Wasserloos zum Thema „Künstlerischer weiblicher Widerstand als Gegenentwurf zu autoritären Diskursen“. Ergänzend zu ihrem Studium absolvierte sie wissenschaftliche Weiterbildungsprogramme an der University of Oxford, der Universität Luzern und dem Global Campus of Human Rights in Venedig.

Ihr Forschungsschwerpunkt liegt an der Schnittstelle von Musik- und Politikwissenschaft, insbesondere in den Bereichen künstlerischer Widerstand, Gender Studies, Musik im Nationalsozialismus, Erinnerungskultur und Music-Based Peacebuilding. Ein besonderer Fokus liegt auf dem musikalischen Schaffen Ilse Webers, der quellenkritischen Erschließung ihres Werkes und der Untersuchung weiblicher künstlerischer Handlungsmacht unter autoritären Herrschaftsbedingungen.