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Univ.Prof. Vittorio Ghielmi

Univ.-Prof. für Viola da Gamba

  • Mirabellplatz 1
  • 5020 Salzburg

vghielmi@gmail.com

 

Vittorio Ghielmi, der von Musikkritikern mit Pablo Casals und Jasha Heifetz verglichen wird, hat der Alten Musik im Allgemeinen und der Viola da Gamba im Besonderen spieltechnisch ebenso wie hinsichtlich der Auswahl des Repertoires den Weg in ein neues Klangimage eröffnet.

Geboren wurde Vittorio Ghielmi in Mailand, wo er als Vierjähriger zunächst Geige und dann Viola da Gamba spielen lernt und schon früh durch die Intensität und Vielseitigkeit seiner musikalischen Interpretationen auffällt. Seit jeher interessierte er sich für alte Spieltechniken und das, was davon heute im Musikgut der Völker noch lebendig ist.

           Für seine Interpretationen auf der Gambe  wird er 1997 mit dem Erwin Bodky Award (Cambridge, Massachusetts - USA) ausgezeichnet.1995 gewinnt er den Preis des internationalen Wettbewerbs für Streichinstrumente Concorso internazionale Romano Romanini per strumenti ad arco in Brescia. Er studiert Viola da Gamba bei Roberto Gini (Mailand), Wieland Kuijken (am Königlichen Konservatorium in Brüssel), Christophe Coin (Paris) und an der Università Cattolica in Mailand wird er mit Auszeichnung zum Doktor der italienischen Philologie promoviert. Grundlegend für seine musikalische Ausbildung ist die Begegnung mit dem schweizerischen Saiteninstrumentenbauer, Luc Breton, und zahlreichen ausgebildeten Musikern aus außereuropäischen Kulturkreisen (Indien, Afghanistan, Afrika, Lateinamerika).

           Als Gambensolist wie auch als Dirigent hat er mit seinem Repertoire der klassischen und Alten Musik Konzerte in den angesehensten Konzertsälen der Welt (Wiener Musikverein, Berliner Philharmonie, Pablo Casals Konzertsaal, Tokio, und anderen) gegeben und wurde von vielen großen Orchestern (Los Angeles Philharmonic Orchestra in der Bowl Hall, Hollywood, London Philharmonia,Wiener Philharmoniker, Il Giardino Armonico, Freiburger Barock-Orchester u.a.),als Solist begleitet oderer hat mit seinem Bruder, Lorenzo Ghielmi, oder mit dem Lautisten, Luca Pianca, im Duo auf der Konzertbühne gestanden.

           Als Kammermusiker oder als Solist ist er mit Künstlern wie Gustav Leonhardt (im Duo), Cecilia Bartoli, András Schiff, Thomas Quasthoff, Mario Brunello, Enrico Onofri, Viktoria Mullona, Giuliano Carmignola, Christophe Coin, Reinhard Goebel und Giovanni Antonini aufgetreten.Er ist einer der wenigen Gambisten, der auf Einladung von Orchestern immer wieder als Solist, zu hören ist (mit Konzerten für Viola da Gamba und Orchester von Johan Gottlieb Graun, Telemann und anderen).

           Er hat als Interpret bei Weltpremieren neuer Kompositionen mitgewirkt (unter anderem bei Kevin Volan, White Man’s Sleep, im Teatro Regio, Turin; Nadir Vassena, Bagatelle trascendentali für Viola da Gamba, Laute und Orchester, Berliner Philharmonie, 2006; Uri Caine, Konzert für Viola da Gamba und Orchester, das Vittorio Ghielmi gewidmet ist, im Conzertgebouw, Amsterdam, und im Bozar, Brüssel, 2008). Seit 2007 unterstützt er Riccardo Muti bei der Vorbereitung des Programms für die Salzburger Festspiele mit der Zusammenstellung des neapolitanischen Repertoires aus Barock und Frühklassik. Ebenfalls im Jahre 2007 ist Vittorio Ghielmi als Autor und Leiter eines Schauspiels zu dem Kantaten-Zyklus „Membra Jesu Nostri“ von Dietrich Buxtehude an die Öffentlichkeit getreten, bei dem der amerikanische Filmemacher Marc Reshovsky (Hollywood) Regie führte und eine Videoverfilmung produzierte; es sang der Chor des Rilke Ensemblens (unter der Leitung von Gunnar Eriksson, Göteburg, Schweden); eine Produktion für das Festival Semana de musica religiosa in Cuenca, Madrid.

           Das von ihm ins Leben gerufene Ensemble Il Suonar Parlante (die Anregung zu diesem Namen fand er bei Niccolò Paganini, s. die entsprechende Seite auf dieser Website) widmet sich vorrangig der Erforschung des Repertoires der Alten Musik, es realisiert jedoch auch neue musikalische Wirklichkeiten. So pflegt es eine enge Zusammenarbeit und Projekte mit Jazzmusikern wie Kenny Wheeler, Uri Caine, Jim Black, Don Byron, Markus Stockhausen, Ernst Reijseger, mit Liedermachern wie Vinicio Capossela und Musikern außereuropäischer Traditionen wie den afghanischen Virtuosen Siar Hashemi (Tabla) und Khaled Arman (Ensemble Kabul). Zahlreiche Jazzmusiker und Komponisten haben eigene Stücke für Il Suonar Parlante geschrieben.

           Die Liste der CD-Einspielungen und der Kritikerpreise ist lang. (WINTER & WINTER, HARMONIA MUNDI, TELDEC, DECCA,SONY, AUVIDIS, OPUS 111,PASSACAILLE etc.). VierCDs sind dem virtuosen Werk für Viola da Gamba und Orchester von Johann Gottlieb Graun (1702 – 1771) gewidmet und eingespielt worden unter der Mitwirkung der Ensemble Baroque de Limoges, der Wiener Akademie und „Il Gardellino“.

           Als Inhaber des Lehrstuhls für Viola da Gamba am Luca Marenzio – Konservatorium in Brescia gibt Vittorio Ghielmi Meisterklassen und Vorlesungen an Universitäten und Konservatorien auf der ganzen Welt. Am Politecnico della cultura, delle arti e delle lingue in Mailand leitet er einen Studiengang unter dem Titel „Il Suonar Parlante“, der die Erforschung alter Spieltechniken und deren Spuren im musikalischen Kulturgut der Völker zum Inhalt hat.

           Er ist Autor eines weithin bekannten Methodenlehrbuchs für das Gambenspiel (zusammen mit Paolo Biordi, erschienen im Ut-Orpheus Verlag, Bologna) und er hat zahlreiche, bisher unveröffentlichte Seiten und Studien zur Alten Musik (im Minkoff Verlag, Fuzeau) veröffentlicht.

Für LIBROFORTE betreute er die kritische Gesamtausgabe der Konzerte für Viola da Gamba und Orchester von J. G. Graun.

Vittorio Ghielmi spielt auf einer Gambe von Michel Colichon, Paris 1688.