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| POETIK - Gastvorträge, Portraitkonzerte, Unterricht, Lesungen |
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Geleitwort des Rektors der Universität Mozarteum in Salzburg
Im Oktober 1992 beschloß das Gesamtkollegium der Hochschule für Musik und darstellende Kunst "Mozarteum" auf Antrag des damaligen Rektors Dr. Wolfgang Roscher einstimmig eine "Gastprofessur für Poetik" einzurichten. In der Zwischenzeit haben so prominente Komponisten und Schriftsteller wie Luciano Berio, Isang Yun, Brian Ferneyhough, Mauricio Kagel, Wilhelm Killmayer, Peter Härtling und Yoritsune Matsudaira an der Hochschule gelehrt. Vom 18. - 28. November 1997 war mit Franco Donatoni nicht nur eine der bedeutendsten Komponistenpersönlichkeiten Europas sondern wohl einer der bedeutendsten Kompositionslehrer der letzten 30 Jahre dieses Jahrhunderts als Gastprofessor für Poetik in Salzburg zu Gast.
Wenn die Vorlesungen und Seminare der Gastprofessuren Isang Yuns (Sommer 1993) und Yoritsune Matsudairas (Sommer 1995) deutlich gemacht haben, welche Bedeutung gerade das Öffnen, Erweitern und Oberschreiten ästhetischer Grenzen in unserer Zeit globaler Vernetzung bekommen hatte. Wenn durch den Versuch der Verschmelzung koreanischer (I. Yun) oder japanischer (Y. Matsudaira) Traditionen mit europäischer Musik einerseits die Enge herkömmlicher europäischer Musikbetrachtung und andererseits die Notwendigkeit und Möglichkeit einer Erweiterung durch das Kennenlernen anderer Traditionen, Denkweisen und Ästhetiken aufgezeigt hat, so erwiesen sich die Gastprofessuren Brian Ferneyhoughs (Sommersemester 1996) und Luciano Berios (Sommersemester 1997) durch spezifische, genuin kompositorische Ansätze als Beweis der Notwendigkeit, Grenzen der Ästhetik, der Hörgewohnheiten, der gewohnten Spiel- und Interpretationstechniken reflektiv auszulosen und zu erweitern.
In genau diese Richtung gingen auch die Vorlesungen und Seminare Franco Donatonis, der allerdings auch die Bedeutung und Notwendigkeit der reflektiven aber auch handwerklichen Beschäftigung mit europäischen Kompositionstechniken der Vergangenheit und der europäischen Tradition der Musikausbildung letztlich auch zu deren Oberwindung und Erweiterung in den Mittelpunkt seiner reflektiven Betrachtungen stellte.
Wenn 'poein' also schöpferisch tätig sein heißt, dann zeigt die "Poetik- Franco Donatonis einen kreativen Ansatz zu neuen Möglichkeiten musikalischer, künstlerischer, menschlicher Erfahrung auf der Basis der eigenen Tradition und profunder musikalischer Handwerklichkeit.
Mit der Einladung Franco Donatonis ist es der Hochschule gelungen, die grundsätzliche Idee einer Gastprofessur für Poetik in diese Richtung weiter entwickeln zu können. Kreativität und Reflexion über schöpferische Tätigkeit auf der Basis traditioneller Handwerklichkeit und profunden Könnens sind für Maestro Donatoni unabdingbare Voraussetzung für das sinnvolle kreative Schöpfen von Neuem in der Musik. Erweitern der Grenzen instrumentaler und gesangstechnischer Aufführbarkeit, der Spieltechniken und Hörgewohnheiten also nicht von außen durch das Kennenlernen fremder Kulturen und fremder Traditionen, sondern von innen heraus, durch das Ausloten und an die Grenzen gehen innerhalb der eigenen Tradition.
Klaus Ager
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