Veranstaltungen und Neuigkeiten - Oktober 2000 zurück


Satchmo meets Amadeus

Professor Wolfgang Pillinger nahm an der Konferenz „Satchmo meets Amadeus: New Orleans and Salzburg - Two Cities and Their Sounds of Music“ teil

Eva Male schreibt über diese Konferenz in der Zeitung "Die Presse":

...Die Tagung in New Orleans fand im Rahmen der Partnerschaft der dortigen Universität mit der Uni Innsbruck statt. Sie spannte den Bogen weit: Wie wurde mit Mozart unter dem Nationalsozialismus umgegangen (Oliver Rathkolb), wie im Jazz (Rainer Gstrein)? Wie entwickelte sich der Jazz in Österreich während der Besatzungszeit (Hubert Giesinger)? Wie wird Mozart zum Millennium in den USA vermarktet (David Nelson)? In welcher Gestalt findet man Satchmo und Mozart im Internet (Erwin Giedenbacher/Christian Gruber)? Es ist ein weites Feld....

„Der fast exotische Gegensatz macht den Reiz der Tagung aus”, erklärt Wagnleitner. “Der Vergleich zwischen Armstrong und Mozart und deren Städten ist so absurd, daß er schon wieder lustig ist” – so formuliert es Frederick Starr, Musikwissenschaftler aus New Orleans, tätig an der Johns-Hopkins-University....

Bereits am ersten Abend, beim Eröffnungskonzert, ging der kulturelle Germteig –und damit die Rechnung der Initiatoren – auf, als der Salzburger Geiger David Frühwirth mit der Band “Astral Project” Crème de la crème der Jazzszene von New Orleans, die Bühne teilte. Erst Klassik, dann Jazz, dann die Begegnung – durchaus geglückt.

“Auch wenn man Klassik spielt, sollte es so sein, als wär´s das erste Mal”, erklärt Frühwirth, 25, der darin eine Parallele zum Jazz sieht. Sorgfältig hat Frühwirth sein Programm ausgewählt, das “auf Grund seines Wiener Flairs vom Rhythmischen her etwas freier zu nehmen ist”. Mozart natürlich, Schubert, Brahms, Korngold, Kreisler. Und Wolfgang Pillinger. Der bei der Tagung anwesende Salzburger Komponist und Professor für Musiktheater hat den Goethe-Roman “Die Wahlverwandtschaften” schon in den achtziger Jahren für das Theater in der Josefstadt musikalisch umgesetzt.

“Das Motto Wahlverwandtschaften paßt diesmal besonders gut”, so Pillinger, der bereits “grenzüberschreitend" gearbeitet hat, als der Begriff ´Crossover´ von der Schallplattenindustrie noch nicht erfunden war”. Wobei es für das “musikalisch-interpretatorische Fremdgehen” laut Pillinger auch Negativbeispiele gibt, etwa wenn Pavarotti mit Rockstars auftritt, wenn nur oberflächliche Annäherung oder “Bastardisierung” stattfindet. Die künftige Herausforderung: das Fremde nicht verstehen wollen, aber damit interagieren.

Eines steht jedenfalls fest: Als sich Pillinger am Tagungsort plötzlich ans Klavier setzte und den “G´schupften Ferdl” zum Besten gab, war das sicher dessen Premiere in New Orleans. “Minuet & Blues: Schnitzel & Noodles” lautete der Titel von Pillingers Vortrag.

Eva Male
Die Presse, SPECTRUM 1. Juli 2000



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