Johann Nepomuk David

Prof.
* 1895     † 1977
Johann Nepomuk David (* 30. November 1895 in Eferding, Oberösterreich; † 22. Dezember 1977 in Stuttgart) war ein österreichischer Komponist.
David schuf zahlreiche Chor-, Orgel- und Orchesterwerke; er war der Lehrer vieler bekannter Komponisten und Interpreten, unter anderem von Hans Stadlmair, Helmut Lachenmann, Ruth Zechlin und Hans Georg Bertram.

Johann Nepomuk David war von 1906 bis 1909 Sängerknabe im Augustiner-Chorherrenstift Sankt Florian und von 1909 bis 1912 Schüler am Gymnasium des Benediktinerstifts Kremsmünster.
Von 1912 bis 1915 studierte er an der (katholischen) Bischöflichen Lehrerbildungsanstalt in Linz.
Von 1915 bis 1920 war er Volksschullehrer in Peterskirchen (Innkreis), von 1920 bis 1924 Volksschullehrer in Waizenkirchen.

Danach studierte er von 1921 bis 1922 an der Musikakademie und an der Universität in Wien bei Joseph Marx bzw. Guido Adler und hatte persönlichen Kontakt zu Josef Matthias Hauer und Arnold Schönberg.
Von 1922 bis 1924 hatte er die musikalische Leitung der Linzer „Kunststelle“ inne.
Von Januar 1925 bis Herbst 1934 war er Lehrer an der katholischen Volksschule, von 1926 bis 1934 leitete er den dort von ihm gegründeten Bach-Chor und von 1930 bis 1934 war er Organist an der evangelischen Christuskirche Wels.
Von November 1934 bis Januar 1945 war er Lehrer für Theorie und Komposition sowie Leiter der Kantoreien am Landeskonservatorium (seit 1941 Hochschule für Musik) in Leipzig.
1942 wurde er zum kommissarischen Direktor dieses Instituts ernannt.

Der eigentlich unpolitische David, der auch keiner NS-Organisation angehörte, komponierte in der Zeit des Nationalsozialismus fast nur absolute Musik (Kammermusik, Symphonien, Orchesterwerke) oder geistliche Musik (Orgelmusik, Motetten). Umstritten ist die am 7. November 1942 in Leipzig uraufgeführte, jedoch unveröffentlichte „Heldenehrung / Motette nach einem Führerwort Adolf Hitler / für 4stimmigen gemischten Chor und 3 Posaunen [...] / Den Gefallenen Lehrern und Studierenden / der Staatl. Musikhochschule in Leipzig zum Gedächtnis“ auf folgenden Text: „Wer seinem Volke so die Treue hält, der soll selbst in Treue nie vergessen sein“.

Nach dem schweren Bombenangriff auf Leipzig am 3./4. Dezember 1943 leitete David von April 1944 an die Evakuierung der Musikhochschule nach Crimmitschau in Sachsen, wo bis zu den Abschlussprüfungen im August 1944 unter schwierigsten Verhältnissen der Studienbetrieb aufrechterhalten werden konnte. Im August 1944 wurde er in die sog. Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Komponisten aufgenommen, was ihn vor einem Kriegseinsatz, auch an der Heimatfront, bewahrte.

Von 1945 bis 1947 war David Professor für Komposition, Leiter der Kantorei und kommissarischer Leiter des Salzburger Mozarteums.
Von 1948 bis 1963 war er Professor für Theorie und Kontrapunkt (Komposition) an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart.
Von 1949 bis 1952 war er Dirigent des Stuttgarter Brucknerchores und von 1950 bis 1953 Dirigent des Hochschulkammerorchesters, mit dem er u.a. zu einem stark beachteten Konzert in Paris gastierte. Mit diesen beiden Ensembles brachte David auch zeitgenössische Kompositionen zur Aufführung, die durch Mitschnitte bzw. Produktionen des Süddeutschen Rundfunks Stuttgart dokumentiert sind.

Er wurde zunächst auf dem Pragfriedhof in Stuttgart beigesetzt, 1978 jedoch in ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32 C, Nummer 43) überführt.

David gilt als Traditionalist und Polyphoniker (nicht nur in der Kirchenmusik).

(2012)