Gerlinde Haid

em.Univ.Prof.
* 1943     † 2012
Gerlinde Haid wurde am 19. April 1943 in Bad Aussee in der Steiermark geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Altmünster in Oberösterreich absolvierte sie ein Studium der Musikerziehung und Germanistik in Wien, das sie 1965 mit der Lehramtsprüfung abschloss, und anschließend ein Studium der Volkskunde und Musikwissenschaft, das sie 1974 mit dem Doktorat abschloss.

Von 1966-1976 wirkte Gerlinde Haid als Assistentin am damals erst gegründeten “Institut für Volksmusikforschung” (Leitung: Prof. Walter Deutsch) an der heutigen “Universität für Musik und darstellende Kunst Wien” und von 1975-1989 als Generalsekretärin des “Österreichischen Volksliedwerkes” in Wien.

Von 1989-1994 war sie die erste Assistentin am “Institut für Musikalische Volkskunde” (Leitung: Prof. Dr. Josef Sulz) der heutigen “Universität Mozarteum Salzburg” mit Sitz in Innsbruck. Von 1992-2006 war sie zudem Obfrau des von ihr und ihrem Ehemann Prof h.c. Dr. Hans Haid gegründeten “Instituts für Volkskultur und Kulturentwicklung” (ivk) in Innsbruck.

Im Jahr 1994 erfolgte der Ruf nach Wien an die Lehrkanzel für Geschichte und Theorie der Volksmusik an der “Universität für Musik und darstellende Kunst Wien”. In dieser Funktion, die sie bis zu ihrer Emeritierung im Sommer 2011 erfüllte, leitete Gerlinde Haid bis 2010 das “Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie”.

Von 2002-2007 leitete sie zudem das “Österreichische Nationalkomitee im ICTM” (International Council for Traditional Music). Der Höhepunkt dieser Tätigkeit war die Ausrichtung der überaus erfolgreichen 39. Weltkonferenz des ICTM in Wien, von Gerlinde Haid perfekt vorbereitet und geleitet.

Gerlinde Haids hauptsächliches Forschungsgebiet war, wie auch die sehr lange Liste ihrer Publikationen erkennen lässt, die Volksmusik im Alpenraum. Gerlinde Haid führte in allen Bundesländern Österreichs und auch in Südtirol und im Trentino, ausgerüstet mit einem Tonaufnahmegerät und oft mit der Filmkamera, ethnomusikologische Feldforschungen durch. Ihr Interesse war umfassend, ihr Wissen und ihre Erfahrung waren enorm. Groß und qualitätsvoll sind auch ihre Sammlungen von Ton- und Filmaufnahmen authentischer Volksmusik.
Etliche ihrer umfangreichen Buchpublikationen und Abhandlungen sind Standardwerke der Volksmusikforschung in Österreich. Gerlinde Haid schrieb sehr fließend und geistreich.
Sie war u.a. Herausgeberin der “Schriften zur Volksmusik” und der “Innsbrucker Hochschulschriften, Serie B: Musikalische Volkskunde”. Ihre zusammen mit Hans Haid herausgegebene achtteilige CD-Edition MUSICA ALPINA (1993-2009) zählt zu den Klassikern unter den Dokumentationen zur Volksmusik im Alpenraum, weil darin neben österreichischer Volksmusik auch die Volksmusiktraditionen der schweizerischen, italienischen, französischen, slowenischen und deutschen Alpenregionen in vollem Ausmaß berücksichtigt werden. Zu ihren frühen Klassikern zählt aber auch ihr schon 1979 gemeinsam mit Hartmann Goertz herausgegebenes Liederbuch “Die schönsten Lieder Österreichs”.

Einen wesentlichen Beitrag zur Volksmusikforschung in Österreich leistete Gerlinde Haid durch ihre Forschungsarbeiten zum Thema "Frau und Volksmusik" in Österreich und in den Alpen, ein Bereich der zuvor in der Forschung weitgehend vernachlässigt worden war. Unablässig war Gerlinde Haid, wahrlich eine Institution der Volksmusikforschung, in zahlreichen Netzwerken aktiv: beispielsweise als Programmplanerin und Moderatorin der ALPENTÖNE OBERGURGL (1991-2011), im Verein PRO VITA ALPINA, in ihrem Netzwerk der italienischen Volksmusik, und bereits in den siebziger Jahren bei den pionierhaften “Folk- und Volksmusikfestivals” in Eggenburg/NÖ. Die Liste ihres engagierten Einsatzes ließe sich noch verlängern.

Im Jahr 2003 wurde Gerlinde Haid vom Bundespräsidenten der Republik Österreich mit dem “Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse” ausgezeichnet, im Jahr 2010 mit dem vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung der Republik Österreich eingerichteten “Walter-Deutsch-Preis” in Anerkennung ihrer überragenden Leistungen auf dem Gebiet der Volksmusikforschung.

Ab 2008 konzentrierte sich Gerlinde Haid zunehmend auf ihre ehrenamtliche Funktion als Kuratorin für Volksmusik am Kammerhofmuseum in ihrer Geburtsstadt Bad Aussee, wo sie eine beispielhafte multimediale Dauerausstellung zur regionalen Volksmusik im steirischen Salzkammergut installierte. In dieser Arbeit für ihre Heimatregion, der sie sich stets sehr verbunden fühlte, sah sie auch ein Betätigungsfeld für die Zeit ihres viel zu kurzen Ruhestandes.

(2012)