Susanne Anders

Prof.
* 1909     † 1979
Susanne Anders, geboren am 4.1.1909 in Berlin, gestorben am 1.11.1979 in Salzburg, absolvierte ein Gesangs- und Klavierstudium an der Berliner Musikhochschule von 1928 bis 1933.

Bereits 1930 wurde sie Assistentin bei ihrer berühmten Mutter Lula Mysz-Gmeiner, hochangesehene Konzertsängerin und erste weibliche Gesangsprofessorin an der Berliner Musikhochschule. Aus ihrem Schülerkreis sind sowohl ihre Tochter als auch ihr berühmter Schwiegersohn, der bedeutende deutsche Tenor Peter Anders, hervorgegangen. So war es natürlich, daß sich Susanne Anders zunächst dem Sängerberuf gewidmet hat.

Unter ihrem Mädchennamen Susi Gmeiner debutierte sie 1933/34 am Darmstädter Theater als Koloratursoubrette und traf dort wieder auf ihren Studienkollegen Peter Anders. In Partien wie Lisa (Gräfin Mariza), Pepi (Wiener Blut), Baronin von Weilenberg (Sein Schatten), bescheinigte ihr die Presse: "Echtes Bühnenblut, eine hübsche Stimme, freies, klug beherrschtes Spiel, Humor, graziöse Beweglichkeit lassen keine Anfängerin vermuten und wecken große Hoffnungen".

Das zweite Engagement war das Theater in Stettin 1934/35. Nun sang sie bereits Fachrollen, wie das Ännchen (Freischütz) und Gilda (Rigoletto). Aber nach ihrer Heirat 1935 erschien ihr der "Beruf" einer Gattin und Mutter verpflichtender.
Doch wissen wir, daß sie schon als junge Frau ihrem Mann beim Studium seiner Partien entscheidend behilflich war. Schon damals machte sich ihre pädagogische Ader unverkennbar geltend. Und diese künstlerische Partnerschaft begleitete den schier märchenhaften Aufstieg des jungen Sängers, der innerhalb von sechs Jahren von Darmstadt über Köln und München nach Berlin führte.

Die pädagogische Begabung half ihr auch über die schweren Jahre, da sie nach dem tragischen Tod ihres Mannes 1954 mit den drei noch in den Schuljahren stehenden Kindern zurückblieb.
In Hamburg versammelte sie einen großen Schülerkreis um sich und hatte bald einen hervorragenden Ruf als Gesangspädagogin.
So kam es, daß schon Ende der 50er Jahre der Präsident des Salzburger Mozarteums ihr eine Lehrstelle anbot, doch die Schwierigkeiten einer Umschulung der Kinder ließen sie darauf verzichten. Erst 1968, als die Kinder selbst musikalisch tätig waren, folgte sie einem erneuten Ruf nach Salzburg.

Susanne Anders war eine selten originelle Persönlichkeit, eine Künstlerin im echten, nicht nur beruflichen Sinn. Sie war Pädagogin mit Leib und Seele. Ihr fehlte allerdings völlig jene magistrale Attitüde, mit der so oft Gesangslehrer ihre mangelnde Beziehung zur Jugend zu tarnen verstehen. Ihre humorvolle und immer kameradschaftliche Art hat auf ihre Schüler stets besonders stimulierend gewirkt.
Darüber hinaus aber muß man Susanne Anders den Ehrentitel einer echten Musikerin zuerkennen. Sie war sich bewußt, daß eine noch so gut technisch durchgebildete Stimme an sich nichts besagt. Schöne Töne, weitgespannte Phrasierungen, virtuose Koloraturen müssen in den Dienst jenes Arcanum gestellt werden, das wir im gewöhnlichen Sprachgebrauch mit Musik, Musizieren bezeichnen, ebenso wenig fassbar wie der Geist, zu dem es allein spricht.
Den Zugang zu ihm zu vermitteln war für Susanne Anders das ideale Ziel ihres Unterrichts. So hat sie alle Forderungen und Möglichkeiten ihres Berufskreises in vorbildlicher Art ausgeschritten.
Noch mehr aber: sie war Mensch, ein fröhlicher Mensch, eine kluge Frau von bezwingendem Charme und in ihrer temperamentvollen Ausstrahlung stets das image der vollendeten Dame wahrend.
(Auszüge aus einer Rede anlässlich ihres Todes von Prof. Meinhard von Zallinger-Thurn Senator h. c.)

(2012)